Geisterdorf

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Italien März 17

Sonntag, 14. Januar 2018

VERTIGE (2009)















HIGH LANE – SCHAU NICHT NACH UNTEN!

Frankreich 2009
Regie: Abel Ferry
DarstellerInnen: Fanny Valette, Johan Libéreau, Raphaël Lenglet, Nicolas Giraud, Maud Wyler, Justin Blanckaert u.a.


Inhalt:
Chloé, Guillaume, Karine und Fred kennen sich schon seit Schulzeiten. Chloé ist heute mit Loïc zusammen, der die Gruppe auf ihren Wanderausflug nach Kroatien begleitet und ganz und gar nicht erfreut ist, dass Chloés attraktiver Exfreund Guillaume sich kurzfristig dazugesellt hat. Der Klettersteig ist zwar gesperrt, aber der sportliche und bergerfahrene Fred bahnt der Gruppe mit seinem Free Climbing einen Weg. Doch diese anfängliche Hürde entpuppt sich noch als das geringste Problem...


Ein gefährliches Unterfangen


Die ersten Verletzungen


Irgendwie kommt mir der Beginn dieser blutrünstigen und actiongeladenen Abenteuergeschichte so merkwürdig vertraut vor. Ich stehe irgendwo im Wald und höre Sätze wie "Ach komm, der Weg ist doch Kindergarten." oder "Das geht schon. Diese Absperrung ist doch nur für unsportliche Touristen da..."
Gnadenlose physische und psychische Selbstüberschätzung und das Ignorieren von Absperrungen oder Warnhinweisen sind in den Bergen alles andere als ein Kavaliersdelikt.
Jeder realistisch denkende Mensch, der sich "High Lane" ansieht, weiß - allein schon das Verhalten, das die Freunde an den Tag legen, birgt genug Potential für tödliche Gefahr.
Doch gerade als unsere ProtagonistInnen glauben, das Schlimmste überwunden zu haben, schlägt der unheimliche Waldbewohner erbarmungslos zu.

Das Backwoodfilm-Genre, in dem zumeist eine Gruppe von FreundInnen in einer feindlichen Natur auf eine bösartige Hinterwäldler Familie trifft, schürt gekonnt Ängste und spielt meisterlich mit Rollenstereotypen und überfrachteten Klischees.
Übertreibung ist in diesem Nischenbereich des Horrorfilms ein wichtiges Element, aber auch eine Kunst. Nur ein Karohemd zu viel, nur zwei Kettensägen und ein paar Liter Kunstblut an der falschen Stelle und schon mutiert ein Backwood Film zu einem uninspirierten "The Texas Chainsaw Massacre" - Abklatsch.
Die Spannung kann ganz schnell verloren gehen, wenn man als ZuseherIn die Orientierung verliert. Wenn die Hauptcharaktere so unsympathisch sind, dass man sogar ein rasches und grausames Ende herbeiphantasiert, dann hat der Regisseur eindeutig etwas falsch gemacht.

"High Lane" ist nicht unbedingt eine Perle des Genres, aber er macht ein paar ganz entscheidende Dinge richtig. Er kopiert nicht nur Altbekanntes, sondern zeigt trotz geringem Budget wahrhaft atemberaubende Aufnahmen der rauen Natur und Bergwelt. Auf der Suche nach einem Adrenalinkick klettern die jungen Leute an einer Felswand entlang und gehen über eine marode Hängebrücke, die sich in schwindelerregender Höhe inmitten einer Schlucht befindet.
Den DarstellerInnen wurde dabei Einiges abverlangt, denn die Dreharbeiten fanden ausschließlich an Originalschauplätzen statt und es gab keine Stunt-Doubles.

Die Kamera, teils an einem Kran oder wilden Konstruktionen Marke Eigenbau befestigt, begleitet die Gruppe und zeigt die teils subjektiven Perspektiven (z.B. Blick nach unten, Höhenschwindel durch Unschärfen und Zooms). Allein dieser rasante Einstieg in die Erzählung bereitet wahres Vergnügen.
Die Dreiecks-Konstellation zwischen Chloé, ihrem aktuellen Freund Loïc, der Angst hat, aber ihr unbedingt imponieren will und dem coolen Guillaume, der immer noch um die Gunst seiner attraktiven Exfreundin wirbt, ist auf unterhaltsame Weise in die Geschichte eingesponnen.

Doch die Spannung bezieht "High Lane" in der ersten Hälfte keineswegs nur aus dem zwischenmenschlichen Bereich. Auch wenn die Begegnung mit unserem degenerierten Bösewicht erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet, ist die erste Hälfte der Laufzeit schon nervenaufreibend inszeniert.
Alles, was dann im letzten Drittel unweigerlich folgt, ist für den/die Genre-ConnaisseurIn keine Überraschung, aber das Gesamtkonzept wirkt stimmig.
Wenn ich mir einen Vergleich erlauben darf - "High Lane" ist vielleicht keine hochpreisige Limousine, aber ein solider Mittelklassewagen, mit dem man gerne in den Urlaub (in die Berge) fährt. Jedenfalls wenn man gerne Auto fährt. Ihr wisst schon, was ich meine.




Foto: Blu Ray von Koch Media