Samstag, 12. August 2017

DIABOLIK (1968)















GEFAHR: DIABOLIK

Frankeich, Italien 1968
Regie: Mario Bava

DarstellerInnen: John Philip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli, Adolfo Celi, Claudio Gora, Mario Donen, Renzo Palmer u.a.

Inhalt:
Wenn er nicht gerade wieder ein spektakuläres krummes Ding dreht, ergötzt Gangster Diabolik sich an seinem eigenen Reichtum und dem Anblick seiner Freundin Eva Kant. Die beiden genießen de gemeinsamen Stunden ebenso wie die Adrenalin Kicks, die ihnen diverse Raubüberfälle bescheren. Doch Bösewicht Signor Valmont und der ehrgeizige Inspektor Ginko wollen Diabolik um jeden Preis das Handwerk legen...


Diabolik (Law) im stylischen Kostüm


Nicht nur vor der Kamera harmonisch: Mell und Law


Nein, er ist kein Super-Held, sondern ein wahrer Super-Schurke!
Die ersten Diabolik-Geschichten der frühen Sechziger Jahre stammen aus der Feder der kreativen Schwestern Giussani aus Mailand und richteten sich, im Gegensatz zu bisher hanelsüblichen Comics, an die Zielgruppe der Erwachsenen. Ihr Erfolg war beachtlich und zog weitere Fumetti neri Reihen wie "Kriminal", "Luzifera" oder "Satanik" nach sich. Bis heute finden sich an jedem gut sortierten italienischen Zeitungskiosk neben den gelben Kriminalromanen aus dem berühmten Mondadori-Verlag auch Fumetti neri.
Bei dieser speziellen Art von Comic werden düstere Geschichten voller Sex und Gewalt erzählt. Die ProtagonistInnen sind zumeist Anti-Helden.
Die in Italien überaus erfolgreiche Fumetti neri Serie "Diabolik" wurde im Jahr 1968 von niemand Geringerem als Regisseur Mario Bava ("Die toten Augen des Dr. Dracula"), einem unbestrittenen Meister der Ästhetik, verfilmt.


Eignen sich (immer noch) als Strandlektüre, Heimlektüre und
Souvenirs für italophile Freunde


Der Weg zu seinem größten kommerziellen Erfolg gestaltete sich für Signor Bava etwas holprig.
Zuerst musste er nämlich gewisse Hindernisse und Unannehmlichkeiten am Set überwinden. Die Anwesenheit der vielen Pressefotografen bereiteten ihm ähnliches Unbehagen wie das ungewohnt große Team und das für seine Begriffe überdimensionierte Budget, für das er verantwortlich war. Bald nach dem Start der Dreharbeiten kam es zum Zerwürfnis mit der ursprünglichen Eva Kant Darstellerin Catherine Deneuve. Nach deren Rauswurf konnte die Österreicherin Marisa Mell ("Nackt über Leichen"), die sich gerade auf dem Zenit ihrer Schönheit und Filmkarriere befand, für die Rolle der Diabolik-Gefährtin gewonnen werden.
Hauptdarsteller John Philipp Law (Diabolik) und Marisa Mell erwiesen sich als perfektes Leinwand-Paar. So perfekt, dass sie sogar abseits der Kameras eine Liaison eingingen.
Bezüglich der Kostüme wurde auch nichts dem Zufall überlassen. Effekte-Spezialist und späterer Oscar-Preisträger Carlo Rambaldi entwarf den schwarz glänzenden zeitlos-stylischen Diabolik Anzug.

Ab diesem Zeitpunkt waren dann alle Weichen gestellt für einen bis heute unverändert ästhetischen und unterhaltsamen Film, der selbst Jahrzehnte nach seiner Entstehung Generationen von CineastInnen in Verzücken versetzt.


Diaboliks schmucker Unterschlupf


Mario Bavas Kunststück bestand darin, die Stilmittel der gezeichneten Vorlage möglichst exakt zu übernehmen und gleichzeitig weiterzuentwickeln. Für Diaboliks hypermodernen Unterschlupf kreierte er mithilfe von Farben, Beleuchtung und Designer-Kulisse ein ganz einzigartiges Ambiente.
Die Handlung von "Gefahr: Diabolik" orientiert sich am gezeichneten Vorbild - Action und Erotik kommen hier keinesfalls zu kurz.
Ennio Morricones vielseitiger Soundtrack umfasst verspielte, psychedelische und teils von Western inspirierte Stücke, die das Sahnehäubchen auf diesem cineastischen Kunstwerk sind.

Ein Film, bei dem die Credits schon verführerisch wirken. Bunt, hypnotisch, psychedelisch und mit einlullender Musik fällt man unweigerlich "deep, deep down" in das jegliche Aufmerksamkeit auf die Leinwand fokussierende Diabolik-Universum.
"...You in my mind deep down, in my heart deep down..."  ist nicht nur ein Songtext, sondern zugleich ein verführerisches Angebot, das der Film dem geneigten Publikum offeriert.




Foto ganz rechts: US DVD von Paramount



Sonntag, 23. Juli 2017

ALLA RICERCA DEL PIACERE (1972)















HAUS DER TÖDLICHEN SÜNDEN
AMUCK (Alternativtitel)

Italien 1972
Regie: Silvio Amadio

DarstellerInnen: Farley Granger, Barbara Bouchet, Rosalba Neri, Umberto Raho, Peter Martinovitch, Nino Segurini, Patrizia Viotti, Dino Mele u.a.

Inhalt:
Die aus London stammende Greta Franklin zieht als Privatsekretärin in die Villa des Schriftstellers Richard Stuart. In Wirklichkeit geht es ihr nicht um den attraktiven Job in Venedig, sondern um die Suche nach ihrer verschwundenen Freundin Sally, die bis vor Kurzem ebenfalls Sekretärin im Hause Stuart war. Richard und seine Frau Eleanora verhalten sich von Anfang an so, als ob sie etwas vertuschen möchten. Leider glaubt der für den Vermissten-Fall zuständige Kommissar nicht an Gretas Hypothesen und Verdächtigungen. Deshalb muss die junge Frau ohne jegliche Unterstützung ermitteln...


Neri und Bouchet in einer der wenigen Stadt-Szenen


Nicht nur mit Waffe gefährlich: Eleanora (Neri)


"Haus der tödlichen Sünden" tanzt etwas abseits des großen Giallo Reigens. Wer die Vorzüge dieses Genres ausschließlich über Fetisch, Lederhandschuhe und Rasierklingen definiert, könnte sich bei diesem Film langweilen. Für alle anderen gilt es, eine feine italienische Thriller-Rarität zu entdecken.

In gewisser Weise können bei diesem Film handlungstechnisch Parallelen zu Mario Bavas Genre-Initialzündung "La ragazza che sapeva troppo" gezogen werden. Greta (Barbara Bouchet) ist wie die Protagonistin in Bavas Klassiker eine Frau, die einen Mord aufklären möchte, sich dabei der Gefahr ihres Vorhabens aber nicht immer völlig bewusst zu sein scheint.
Im Gegensatz zu den weitaus häufiger skizzierten Frauen-Stereotypen im Giallo, in denen die Darstellung der Frauen auf die Rolle des (potentiellen) Opfers oder der irren Täterin reduziert wird, betätigt sich Greta detektivisch. Dabei ist sie ganz auf sich allein gestellt und darf keinem Menschen trauen.
Dennoch ruft ihre "Ermittlungstaktik" etwas Kopfschütteln hervor.
Sie lässt sich mehrmals unter Drogen setzen, nimmt an den sexuellen Ausschweifungen im Haushalt des dekadenten Paars teil und zieht auch nicht von dannen, als auf sie geschossen wird.
Greta nistet sich in der Villa ein wie die Made im Speck, sammelt Informationen, beobachtet und wartet ab, was passiert.
Ihre Beharrlichkeit, mit der sie trotz der ihr entgegengebrachten subtilen und offenen Feindseligkeit im Stuart Haushalt verweilt, wirkt radikal, könnte in manchen Momenten aber auch negativ als "naiv" gedeutet werden.
Ähnlich wie bei Gregory Moore, der sich in "Malastrana" sehenden Auges in Lebensgefahr begibt, um das Verschwinden seiner Freundin aufzuklären, besteht auch bei Greta eine tiefere emotionale Bindung zu der vermissten Sally. Wie bei Gregory wird auch für sie die Suche nach der Wahrheit zu einer Obsession. Aktuelle Gefahren werden ausgeblendet oder sind nicht von Bedeutung.

Rosalba Neri ("Der Triebmörder") als Eleanora Stuart ist in diesem Film die absolute Wucht und stiehlt Frau Bouchet fast etwas die Show. Ihre Outfits, die größtenteils aus dem privaten Kleiderschrank der italienischen Diva entlehnt wurden, sind eine Augenweide.
Neris Mimik, die lüsternen Blicke, ihre aufreizende und zugleich Gefahr signalisierende Aura sind von beeindruckender Intensität. Sie hat das Aussehen einer Sphinx und lockt wie eine Sirene.
Daneben wirkt der routinierte Brite Farley Granger ("Cocktail für eine Leiche") als überheblicher Schriftsteller zwar in überzeugendem Maße distinguiert, aber beinahe etwas blass um die Nase.
Umberto Raho ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe") schleicht als zugeknöpfter und dubioser Butler durch die Gänge.
Peter Martinovitch ("Lady Frankenstein") spielt den Fischer, dessen körperliche Größe, Stärke und Potenz sich umgekehrt proportional zu seiner Intelligenz verhalten.

Dass die Hauptverdächtigen ein Schriftsteller und seine exzentrische Frau sind, bringt einen besonderen poetischen Bezug in den Film. Die Stuarts lassen sich allerlei durchtriebene, kreative Psycho-Spielchen einfallen, um der neugierigen Sekretärin das Spionieren zu vergällen. Damit wollen sie nebenbei die Überlegenheit ihres Intellekts demonstrieren.
Besonders interessant wird es, als der Autor beginnt, der schon etwas verstörten Greta eine Giallo Geschichte über einen Mord an einer Sekretärin auf Band zu sprechen.
Mit stilistisch blumigen Satzkonstruktionen und Redewendungen wie "Una solitudine senza nome" (ich schmelze bei diesen schönen italienischen Formulierungen dahin) erzählt er eine düstere Geschichte, die leider beängstigend real klingt.

"Haus der tödlichen Sünden" ist ein famoses Katz und Maus-Spiel, das sich hauptsächlich in einer stilvoll eingerichteten Villa irgendwo in der Lagune nahe Venedig abspielt. Die Stadt selbst kommt in einigen Szenen zwar vor, aber nicht auf eine prominente Art und Weise wie zum Beispiel in den klassischen Venedig-Gialli "The Child – Die Stadt wird zum Alptraum" oder "Anima Persa".

Die Giallo-Perle "Haus der tödlichen Sünden" war über Jahrzehnte nicht offiziell in ungekürzter Fassung erhältlich und wurde nun vom Label "Camera Obscura" endlich entsprechend gewürdigt.
Die aktuelle Veröffentlichung lässt qualitativ keine Wünsche offen. Es wurden auch keine Kosten und Mühen gescheut, den Sohn des Regisseurs und die großen Damen des italienischen Kinos aus der guten alten Zeit, Barbara Bouchet und Rosalba Neri, zu interviewen. Der Soundtrack, der in all seiner Düsternis eher an einen Gotik-Horrorfilm erinnert, ist sogar als Extra auf CD enthalten.
Für mich handelt es sich bei dieser "Camera Obscura" Blu Ray um eine der schönsten Veröffentlichungen des Jahres.




Foto: Die lohnenswerte Camera Obscura Blu Ray



Donnerstag, 13. Juli 2017

SPECIAL: PHÄNOMENALE DREHORTE IN DER SCHWEIZ

Heute öffne ich wieder einmal meine virtuelle Fotokiste für euch. Schon über 10 Jahre bevor dieser Blog entstanden ist, haben wir es uns zur Angewohnheit gemacht, diverse Drehorte zu besuchen und Fotos davon zu machen. Im Laufe der Zeit ist dabei Einiges zusammengekommen...
Ich hoffe, dass ihr beim Betrachten der Bilder ähnlich viel Spaß habt wie ich beim Zusammenstellen.

Es geht, wie am Titel des Specials unschwer erkennbar, dieses Mal um einen meiner Lieblingsfilme, nämlich Dario Argentos "Phenomena".
Dieser wurde zu einem großen Teil in der Schweiz gedreht. Meine Fotos sind in einem Zeitraum von circa einem halben Jahr entstanden.
Jeder dieser Ausflüge war etwas ganz Besonderes und seither sehe ich den Film mit anderen Augen.
Ein wenig traurig bin ich immer noch, dass mir der gelbe Bus, der auf der Bergstraße nahe dem Säntis unseren Weg kreuzte, durch die Lappen gegangen ist. Ich war wirklich nicht darauf gefasst, dass diese Landbusse immer noch so aussehen wie in den 80ern.

Sommer 2015: Säntis, Bergstraßen, Wasserfall, Haus am Waldrand
Herbst 2015: Zürich, "Internat", Villa am See (in der Frau Brückner wohnt)
April 2016: Standseilbahn; rotes Fachwerkhaus, vor dem Jennifer von jungen Schweizer Rowdies angefahren wird

Wer sich aufgrund der Anzahl der folgenden Bilder denkt, wir sind wegen diesem Special völlig durchgeknallt, der hat vermutlich Recht. Wenn schon, denn schon...

Mein Bildvergleich (Screenshots wie von der "Drehorte-Rubrik" gewohnt linksbündig, eigene Fotos zentriert):