Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Sonntag, 27. August 2017

THE DEVIL'S RAIN (1975)















NACHTS, WENN DIE LEICHEN SCHREIEN
NACHTS, WENN DIE ZOMBIES SCHREIEN

USA 1975
Regie: Robert Fuest
DarstellerInnen: Ernest Borgnine, Tom Skerritt, Joan Prather, Eddie Albert, William Shatner, Ida Lupino, Keenan Wynn, Anton LaVey, John Travolta u.a.


Inhalt:
Mister Preston taucht in strömendem Regen mit leeren Augenhöhlen und wächsernem Gesicht vor seiner Frau und Sohn Mark auf, stammelt etwas von einem Buch, das einem gewissen Corbis, der sich in der Wüste aufhält, zurückgegeben werden soll und schmilzt vor seinen Liebsten dahin, bis nur noch eine blubbernde zähflüssige Masse zu erkennen ist. "In nomine satanas" waren seine letzten Worte. Nicht nur die Mutter Preston, ihr Sohn Mark und der etwas entfernt lebende Sohn Tom befinden sich kurz darauf in einer misslichen Lage. Die gesamte Menschheit ist in Gefahr...


Sohnemann Mark guckt angewidert...


...während Papa Preston sich in einen Wachsfleck verwandelt


"Nachts, wenn die Leichen schreien" schafft es neben "Zombis geschändete Frauen" und "Die toten Augen des Dr. Dracula" ganz locker in die Top 10 der lächerlichsten deutschen Horrorfilmtitel. Doch während man betonen muss, dass die beiden anderen Genannten schlicht und einfach der düsteren und stimmungsvollen Atmosphäre nicht gerecht werden, hat man mit "Nachts, wenn die Leichen schreien" keinen Film-Frevel begangen.
Man hätte ihn genauso gut bzw. auch passenderweise "Guck mal, wer am schönsten schmilzt" oder "Corbis' Wachsgesichter-Sekte" nennen können ohne dem Werk einen Image Schaden zuzufügen.

In Amerika hat dieser Horrorfilm des britischen Regisseurs Robert Fuest ("Tödliche Ferien") einen kleinen Kultstatus inne. Zu seiner Entstehungszeit war er ein absoluter Hit in den Drive-Ins und wurde dann später ins Programm diverser TV Sender aufgenommen und wiederholt gezeigt.
Haben wir es also mit einer hierzulande unbekannten Legende von Film zu tun?
Das wage ich zu bezweifeln!
Muss man "Nachts, wenn die Leichen schreien" gesehen haben? Entscheidet selbst...

Der Vorspann mit den Bildern von Hieronymus Bosch und dem vielstimmigen Fegefeuer-Wehklagen ist ohne Zweifel ein vielversprechender Anfang. Kaum etwas eingestimmt, befindet man sich sofort in medias res. Es dauert keine drei Minuten bis Papa Preston auf der Hausveranda aus seiner Form läuft und spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, dass man es mit einem Satanisten-Schmelzfilm zu tun hat.
Die Handlung ist völlig Banane, aber ich liebe sie.
William "Captain Kirk" Shatner als Mark Corbis guckt herrlich dumm aus der Wäsche, sprich: aus seinem Holzfällerhemd als sein Vater sich in einen blubberndem Brei verwandelt. Doch es kommt noch schlimmer. Just als er vor seinem Auto steht und eine wächserne Woodoo Puppe am Lenkrad findet, blitzt es im Haus und es sind Schreie vernehmbar.
Also zurück zum Haus, doch dort findet er nur den wimmernden Hausangestellten blutend kopfüber von der Decke hängend. Die Frau Mama ist weg. Ach du Schande!
So rasant setzt sich die Geschichte dann fort.
Auch wenn Vieles nicht wirklich Sinn ergibt, tut das der seichten Unterhaltung keinen Abbruch.
Wer sich wundert, wie Protagonisten von einer Sekunde von A nach B gekommen sind oder warum innerhalb einer Szene auch mal ein abrupter Wechsel der Tageszeit stattfindet, hat eindeutig den falschen Film im Player.

Ernest Borgnine in der Rolle des Leibhaftigen, der nach seiner Verwandlung wie das Ergebnis einer unglückseligen Kreuzung zwischen Ernest Borgnine und Fuchur (der Glücksdrache in "Die unendliche Geschichte") aussieht, war entweder eine mutige Besetzung oder zeugt vom Humor des Regisseurs und Maskenbildners.
Ich hätte ihn im Film nicht erkannt, aber offenbar gurkt auch ein blutjunger John Travolta unter einer Kapuze und ohne Augäpfel durch die Kulissen.

Apropos: Die Außenaufnahmen in der Wüste, die verlassene Western Stadt, durch die der Wind Dust-Devils treibt und die Sonnenuntergänge sind zum Teil ästhetisch berückend.
Doch bevor zu viel Atmosphäre aufkommt, wird man durch allerlei Merkwürdiges, Wundersames und unfreiwillig Komisches wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.

Ohne Frage weist "The devil's rain" einige markante Schwächen auf, die jedoch so offensichtlich und naiv sind, dass man sie schon wieder putzig finden muss. Den einprägsamen Satz, mit dem für den Film Werbung gemacht wurde, kann ich nur unterstreichen und werde ihn mal so stehen lassen:

(…)"They bring you a melting hell on earth and absolutely the most incredible, unforgettable ending of any motion picture ever."

...Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schmelzen sie noch heute...



Sonntag, 20. August 2017

LESETIPP: DAS ZOMBIE MAGAZIN



Das Magazin kam in schickem Umschlag und mit
Cuesta Verde Postkarte bei mir an



ZOMBIE MAGAZIN #18

Wenn es um "Poltergeist" geht, kann ich natürlich nicht widerstehen... Und schon gar nicht, wenn eine Postkarte aus Cuesta Verde mit dabei ist.

Et voilà: mein erstes "Zombie Magazin" fand Eingang in meine Sammlung.
Diese sympathische Zeitschrift mit dem flotten Retro-Artwork überzeugt nicht nur durch das ansprechende Design, sondern auch durch einen gut lesbaren, erfrischenden Schreibstil.
Die Poltergeist-Retrospektive beruht auf interessantem Fach- und Hintergrundwissen.
Mit einer gesunden Mischung aus professioneller bzw. distanzierter Analyse und dennoch unverhohlener Ehrfurcht vor diesem Film und seinen Machern widmet sich Herausgeber Markus Haage einem der vielen Poltergeist-Mysterien: Die Frage, wer nun tatsächlich im Regiestuhl saß - Steven Spielberg oder Tobe Hooper?

In der Retro-Moshpit Rubrik finden sich interessante Beiträge, die der Nachwelt nicht vorenthalten werden sollten wie z.B. Fotos aus dem Rambo (!) Malbuch von 1987 oder ein Foto, das bestimmt jeden "Day of the Dead" Fan vor Neid erblassen lässt.

Ein Artikel über Filme aus den Hammer Studios und fundierte Rezensionen über Filme, die jeder kennt und Filme, die noch viel zu wenig bekannt sind sowie eine Serien und Blu Ray Rubrik machen dieses schlanke Magazin von Fans für Fans zu einem kurzweiligen Lese-Vergnügen.
Ich denke, ich sollte mal einen Blick auf vergangene und zukünftige Ausgaben riskieren...

Wärmste Empfehlung für einstige (oder ewige) Kinder und Jugendliche des goldenen Videokassetten-Zeitalters, Retro-Fans und alle, die sich für phantastische Filme und filmische Pop-Kultur begeistern können!

Samstag, 12. August 2017

DIABOLIK (1968)















GEFAHR: DIABOLIK

Frankeich, Italien 1968
Regie: Mario Bava
DarstellerInnen: John Philip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli, Adolfo Celi, Claudio Gora, Mario Donen, Renzo Palmer u.a.

Inhalt:
Wenn er nicht gerade wieder ein spektakuläres krummes Ding dreht, ergötzt Gangster Diabolik sich an seinem eigenen Reichtum und dem Anblick seiner Freundin Eva Kant. Die beiden genießen die gemeinsamen Stunden ebenso wie die Adrenalin Kicks, die ihnen diverse Raubüberfälle bescheren. Doch Bösewicht Signor Valmont und der ehrgeizige Inspektor Ginko wollen Diabolik um jeden Preis das Handwerk legen...


Diabolik (Law) im stylischen Kostüm


Nicht nur vor der Kamera harmonisch: Mell und Law


Nein, er ist kein Super-Held, sondern ein wahrer Super-Schurke!
Die ersten Diabolik-Geschichten der frühen Sechziger Jahre stammen aus der Feder der kreativen Schwestern Giussani aus Mailand und richteten sich, im Gegensatz zu bisher hanelsüblichen Comics, an die Zielgruppe der Erwachsenen. Ihr Erfolg war beachtlich und zog weitere Fumetti neri Reihen wie "Kriminal", "Luzifera" oder "Satanik" nach sich. Bis heute finden sich an jedem gut sortierten italienischen Zeitungskiosk neben den gelben Kriminalromanen aus dem berühmten Mondadori-Verlag auch Fumetti neri.
Bei dieser speziellen Art von Comic werden düstere Geschichten voller Sex und Gewalt erzählt. Die ProtagonistInnen sind zumeist Anti-Helden.
Die in Italien überaus erfolgreiche Fumetti neri Serie "Diabolik" wurde im Jahr 1968 von niemand Geringerem als Regisseur Mario Bava ("Die toten Augen des Dr. Dracula"), einem unbestrittenen Meister der Ästhetik, verfilmt.


Eignen sich (immer noch) als Strandlektüre, Heimlektüre und
Souvenirs für italophile Freunde


Der Weg zu seinem größten kommerziellen Erfolg gestaltete sich für Signor Bava etwas holprig.
Zuerst musste er nämlich gewisse Hindernisse und Unannehmlichkeiten am Set überwinden. Die Anwesenheit der vielen Pressefotografen bereiteten ihm ähnliches Unbehagen wie das ungewohnt große Team und das für seine Begriffe überdimensionierte Budget, für das er verantwortlich war. Bald nach dem Start der Dreharbeiten kam es zum Zerwürfnis mit der ursprünglichen Eva Kant Darstellerin Catherine Deneuve. Nach deren Rauswurf konnte die Österreicherin Marisa Mell ("Nackt über Leichen"), die sich gerade auf dem Zenit ihrer Schönheit und Filmkarriere befand, für die Rolle der Diabolik-Gefährtin gewonnen werden.
Hauptdarsteller John Philipp Law (Diabolik) und Marisa Mell erwiesen sich als perfektes Leinwand-Paar. So perfekt, dass sie sogar abseits der Kameras eine Liaison eingingen.
Bezüglich der Kostüme wurde auch nichts dem Zufall überlassen. Effekte-Spezialist und späterer Oscar-Preisträger Carlo Rambaldi entwarf den schwarz glänzenden zeitlos-stylischen Diabolik Anzug.

Ab diesem Zeitpunkt waren dann alle Weichen gestellt für einen bis heute unverändert ästhetischen und unterhaltsamen Film, der selbst Jahrzehnte nach seiner Entstehung Generationen von CineastInnen in Verzücken versetzt.


Diaboliks schmucker Unterschlupf


Mario Bavas Kunststück bestand darin, die Stilmittel der gezeichneten Vorlage möglichst exakt zu übernehmen und gleichzeitig weiterzuentwickeln. Für Diaboliks hypermodernen Unterschlupf kreierte er mithilfe von Farben, Beleuchtung und Designer-Kulisse ein ganz einzigartiges Ambiente.
Die Handlung von "Gefahr: Diabolik" orientiert sich am gezeichneten Vorbild - Action und Erotik kommen hier keinesfalls zu kurz.
Ennio Morricones vielseitiger Soundtrack umfasst verspielte, psychedelische und teils von Western inspirierte Stücke, die das Sahnehäubchen auf diesem cineastischen Kunstwerk sind.

Ein Film, bei dem die Credits schon verführerisch wirken. Bunt, hypnotisch, psychedelisch und mit einlullender Musik fällt man unweigerlich "deep, deep down" in das jegliche Aufmerksamkeit auf die Leinwand fokussierende Diabolik-Universum.
"...You in my mind deep down, in my heart deep down..."  ist nicht nur ein Songtext, sondern zugleich ein verführerisches Angebot, das der Film dem geneigten Publikum offeriert.




Foto ganz rechts: US DVD von Paramount