Geisterdorf

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Italien März 17

Sonntag, 24. September 2017

SPECIAL: ARGENTO DOUBLE FEATURE IM ZEBRA KINO


Moonlight Madness: Dario Argento
Samstag, 23. September "Opera" und "Suspiria"







Das Zebra Kino in Konstanz ist ein kleines und super-gemütliches kommunales Kino mit ausgewähltem Programm abseits der großen Blockbuster, das sich offenbar ganz seinem Motto "Andere Filme anders zeigen" verschrieben hat.
Dieses Lichtspielhaus verbindet nicht nur herrlich nostalgisches Ambiente mit modernster Technik (4k Projektor, 7.1. Sourround Sound), sondern hält auch seinen alten 35mm Projektor noch betriebsbereit.




Dies und der Enthusiasmus der Betreiber, zwei Argento Filme hintereinander abseits einer Metropolregion am idyllischen Bodensee zu zeigen, muss natürlich unterstützt werden.
Außer uns taten dies auch grob geschätzt zwanzig andere BesucherInnen, von denen der Großteil den Anschein machte, zum ersten Mal in Berührung mit Werken Dario Argentos gekommen zu sein.
Das Zebrakino Team hatte sich sogar die Mühe gemacht, Plakate im Gang aufzuhängen, Flyer zu drucken und vor den Filmen draußen im Barbereich eine Goblin CD einzulegen.







Nach ein paar einleitenden Worten ging es um 21 Uhr los mit "OPERA" (OT mit UT, DCP)
Im Gegensatz zur letzten Sichtung dieses Films auf dem 2. Terza Visione Festival im KommKino (35mm Projektion, aber cut) offenbarten sich mir dieses Mal sehr deutlich die Qualitäten dieses Films. Die unglaublich ästhetischen und kreativen (schwindelerregenden) Kamerafahrten und die durch die Schnitttechnik rasante und auf das Wesentliche reduzierte Erzählung sind für die Kinoleinwand prädestiniert.
Die Extravaganz und sympathische Verdrehtheit Argentos spiegelt sich in allen seinen ProtagonistInnen (besonders natürlich in der Rolle des Theaterregisseurs) und gipfelt in einem würdigen Gesamtbild mit stimmigen Ende. Mir ist klar, das gerade Letzteres umstritten und starker Kritik ausgesetzt ist, aber ich empfinde das Finale hinsichtlich der Entwicklung der Charaktere als absolut konsequent.

Nach einer kurzen Pause folgte ein kleiner fachlicher Input mit Infos über Argentos Inspirationen für die Bildsprache und Farben des Films als Einstimmung und eine Verlosung von Blu Rays und Comics.

"SUSPIRIA" (OT, 2k DCP) sollte man nach Möglichkeit zumindest ein Mal auf der großen Leinwand gesehen haben, um ihn mit all seiner Wucht erleben zu können.
Die Genialität der Bildsprache, die Märchenhaftigkeit der Geschichte und die visuellen und inhaltlich vielschichtigen Ebenen zeigen sich im Kino von ihrer wahren Schönheit und Bandbreite.
Obwohl mir der Zugang zu diesem Werk Argentos aus Gründen, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen will, nach wie vor etwas schwerer fällt, hat diese Vorstellung die Tür zu meinem Herzen ein klein wenig weiter aufgestoßen und mich Manches klarer sehen lassen.
Auch wenn er nie (wie "Phenomena") zu meinen absoluten Favoriten gehören wird - den Status, den "Suspiria" bei Kritikern und Fans hat, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Das Publikum, das im Saal hinter uns saß, würde dem vermutlich eher weniger zustimmen.
Bei fortschreitender Handlung wurden einige Gäste zunehmend unruhig (es war wiederholt lautes, ungeduldiges Schnaufen vernehmbar) und unnötige stupide Zwischen-Kommentare (Zitat: "Kunstblut!?!" oder "Ich habe Visionen von Schneewittchen und den sieben Zwergen") in den Raum geworfen.
Ich musste über die Reaktionen schmunzeln und habe mich gefragt, mit welcher Erwartungshaltung das zum Teil völlig unvorbereitete Publikum sich auf dieses Double Feature eingelassen hat. Zum Glück verstummten diese Stimmen (auch durch den angenehm lauten vollen Sound Einsatz des Films) jedes Mal rasch und die Stimmung kippte erfreulicherweise auch nicht auf das Niveau einer Kindergarten-Party wie damals beim Lucio Fulci Double Feature ("Woodoo" und "Ein Zombie hing am Glockenseil") im Innsbrucker Leokino.
Mein Gefährte hat sich über die Kommentare ziemlich aufgeregt und ich gebe zu, dass ich etwas schadenfroh war, da er nur wenige Tage zuvor bei "Poltergeist" in unserem Heimkino zwei Mal lautstark gegähnt hat.
Wie war das nochmal mit dem Karma?

Obwohl ich nach wie vor etwas berauscht von Argentos bildgewaltigen Traum(a)-Visionen am Steuer saß, wurden wir bei der nächtlichen Alkohol- und Drogenkontrolle von der Schweizer Polizei ohne Bedenken durchgewunken und kamen gegen 3 Uhr morgens in bester Laune zuhause an.

Alles in Allem hat sich die Fahrt für uns mehr als gelohnt. Ich habe bereits mehrfach gesehene Filme (passend zum Kino Motto) "anders gesehen" - nicht nur auf technischer Ebene. Ich bin zum ersten Mal nicht weggedöst bei den Atemgeräuschen von Elena Markos und wir hatten das Vergnügen, in der ersten Reihe zu sitzen.
Das Programm des Genre-Filmfestivals "Shivers" (für November im Zebrakino angekündigt) werden wir wohl im Auge behalten...