Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Freitag, 15. September 2017

SETTE PISTOLE PER UN MASSACRO (1967)














ADIÒS, HOMBRE (Alternativtitel)
DAS TODESLIED VON LARAMIE
EINEN WHISKEY ALS KOPFGELD (Fernsehtitel)

Italien 1967
Regie: Mario Caiano
DarstellerInnen: Craig Hill, Giulia Rubini, Piero Lulli, Eduardo Fajardo, Nazzareno Zamperla, Jacques Herlin, Nello Pazzafini, Eleonora Vargas u.a.

Inhalt:
Will Flaherty kehrt nach zehn Jahren Gefängnis zu seiner Peggy, einer selbstbewussten Barbesitzerin, zurück. Die Wiedersehensfreude ist etwas getrübt, denn Will hat seine Strafe noch nicht ganz abgesessen. Er ist ausgebrochen und plant, seine Unschuld zu beweisen. Was für eine göttliche Fügung, dass just eine Verbrecherbande das Dorf okkupiert, die BewohnerInnen als Geiseln nimmt und auf die Ankunft einer Postkutsche wartet. Einer der Schurken hat Will nämlich damals mit seiner falschen Zeugenaussage hinter Gitter gebracht...


Charismatisch: Craig Hill


Die vampireske Rubini und der böse Fajardo


Die Geschichte von "Das Todeslied von Laramie" ist, gemessen an anderen Italowestern, eher simpel und die Charaktere, sogar die Figur des "Helden" Will (Craig Hill), etwas eindimensional. Der gute Will bekleckert sich zunächst auch nicht gerade mit Ruhm – während die Verbrecher unschuldige BürgerInnen im Saloon terrorisieren versteckt er sich auf dem Dachboden.
Doch als er mitanhört wie Peggy von Oberschurke Tiny (großartig: Eduardo Fajardo) bedrängt wird, gibt es für ihn kein Halten mehr. Zumindest so lange bis er von der Bande überwältigt, brutal verprügelt und gefangen genommen wird. Einen beträchtlichen Teil der weiteren Filmlaufzeit muss er dann gefesselt im Stall verbringen während die Ladies im Saloon bei einer Schlägerei mit der bösen Bande so richtig die Sau rauslassen.

Die wahren Helden in das "Todeslied von Laramie" sind (etwas Western-untypisch) nämlich Heldinnen. Da wäre einerseits Peggy (Giulia Rubini). Ihr gehört der Saloon, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt. Nicht nur pro forma, sie hat hier tatsächlich das Sagen.
Sie lässt sich von den Bösewichten nicht einschüchtern und auch von ihrem über Will lästernden Bruder nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Peggy ist es auch, die die Cancan Ladies für ihren Befreiungsplan engagiert.
Rubini, die zuvor schon in einigen Italowestern mitspielte, hat in diesem Film ein besonders markantes Make Up. Mit ihren krass definierten Augenbrauen, dunklen Haaren und der extrem blassen Haut sieht sie aus, als käme sie gerade direkt vom Set eines Vampirfilms aus dem Hause Hammer. Vielleicht hatte sie aber auch nur denselben Maskenbildner wie Mark Damon...
Die Cancan Tanzgruppe, die einen Zwischenstopp im Saloon macht, will den Terror der Bande ebenfalls nicht widerstandslos akzeptieren und unterstützt Peggy tat- und schlagkräftig bei ihrem Plan, Will aus dem Stall zu befreien. Die Frauen zetteln eine Saloon Schlägerei an, bei der sie nicht nur die anwesenden Männer geschickt gegeneinander aufbringen, sondern auch selbst kräftig mitmischen. Und sie haben sichtlich Spaß dabei. Dabei gibt es Füße in hochhackigen Stiefeln ins Gesicht, Flaschen über den Kopf und so kräftige Faustschläge, dass sogar der riesige Nello Pazzafini sich auf dem Absatz dreht.
Das Ganze ist kein heilloses Durcheinander, sondern hervorragend inszeniert. Da sitzen nicht nur die Fausthiebe.


Die Schurken (links: Lulli in Leder)


Neben Rubini, den Cancan-Ladies und dem charismatischen Craig Hill, dessen Rolle leider ein wenig blass ist, stapft ein grummeliger und fieser Piero Lulli in stylischer schwarzer Lederjacke durch die Kulissen. Wer schon mehr als einen Italowestern gesehen hat, sollte mit dem rothaarigen Paradeschurken vertraut sein.

Der einprägsame, leicht melancholische Soundtrack, starke Frauen mit besonderem Make Up und charismatische Darsteller wie Craig Hill, Piero Lulli und Eduardo Fajardo entschädigen für die recht fantasielose Geschichte und die wenig differenziert dargestellten ProtagonistInnen.
Zumindest Fans des Genres dürfte dieser schnuckelige Italowestern Vergnügen bereiten.




Trailer zum Film (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Sonntag, 10. September 2017

BURNT OFFERINGS (1976)


LANDHAUS DER TOTEN SEELEN

Italien, USA 1976
Regie: Dan Curtis
DarstellerInnen: Karen Black, Oliver Reed, Burgess Meredith, Eileen Heckart, Lee Montgomery, Dub Taylor, Bette Davis, Anthony James u.a.


Inhalt:
Marian und Ben Rolf wähnen sich im Urlaubsglück – um nur 900 Dollar dürfen sie die wunderschöne Villa des verschrobenen älteren Geschwisterpaars Allardyce mieten. Für den ganzen Sommer versteht sich. Die Allardyces wirken zwar etwas sonderbar, aber sie sind ja in der Zeit nicht da. Nur ihre 90 Jahre alte Mutter und die soll angeblich sehr pflegeleicht sein. Sie verlässt ihr Zimmer nie und ist zufrieden, wenn man ihr jeden Tag eine warme Mahlzeit hinstellt. Kein Problem für Marian. Mit Bens's Tante Elizabeth und dem Rolfschen Sohnemann Davey macht es sich das Ehepaar Rolf in der ländlichen Gegend gemütlich. Es wäre ein perfekter Sommer, würde das Haus nicht ein seltsames Eigenleben entwickeln und es immer häufiger zu Konflikten, Gewalt und diversen unliebsamen Zwischenfällen kommen...


Sonderbar: das Geschwisterpaar Allardyce


Schlechte Stimmung bei den Rolfs


Dieser hervorragende Haunted House Film, der auf einer Geschichte von Robert Marasco beruht, fristet sein Dasein nach wie vor in einer dunklen, verstaubten Ecke des Horror-Subgenres. Im Gegensatz zu dem kommerziell wesentlich erfolgreicheren "Amityville Horror", dessen Horror sich mir ehrlich gesagt nie ganz erschlossen hat, beruht diese Geschichte nicht auf simpler Effekthascherei.
Die Atmosphäre basiert ganz wesentlich auf dem, was in bzw. mit der Familie Rolf geschieht: Die mehr oder weniger kleinen zwischenmenschlichen Grausamkeiten, die emotionale Entfremdung und die Ausbrüche von roher Gewalt.


Die Villa


Was beinahe wie ein Familiendrama anmutet, hat jedoch einen paranormalen Hintergrund, dessen Deutlichkeit im Lauf der Handlung immer näher ans Tageslicht rückt:
Die Villa, in der die Familie Rolf die Ferien verbringt, ist von Natur aus böse. Sie bezieht ihre Energie aus den Ängsten, Schmerzen und nicht zuletzt aus dem Tod ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Sie ernährt sich von ihnen. Die geballte negative Energie verhilft ihr, die Jahrhunderte zu überdauern und sich regelmäßig selbst zu erneuern.
Wie die böse Schwester des unheimlichen Marsten-Hauses ("Brennen muss Salem") demonstriert sie den Menschen mit ihrer kurzen Lebensspanne und Verwundbarkeit deren eigene Vergänglichkeit und somit ihre Überlegenheit. Sie wird nicht müde, unter Beweis zu stellen, wie erbärmlich begrenzt die Spezies Mensch doch ist.

Gelingen kann so ein Film, der seine ProtagonistInnen in seelische Abgründe stürzt und den Verfall familiärer Bindungen zeigt, selbstredend nur mit gutem Schauspiel. Karen Black sieht ja per se schon irgendwie unheimlich aus mit ihren Katzenaugen und den stark betonten, weit auseinander liegenden Wangenknochen. Sie mimt eine Marian Rolf, deren Obsessionen ein haarsträubendes Ausmaß annehmen und die von ihren Liebsten nicht wiedererkannt wird.
Mit Hingabe pflegt sie die Villa und fühlt sich ihr und der mysteriösen Greisin Mrs. Allardyce immer mehr zugehörig während sie sich gegenüber ihrem Mann, Elizabeth und sogar ihrem eigenen Sohn zunehmend rücksichtslos bis feindselig verhält. Eine grandiose Performance.
Oliver Reed, der in der Tat ein weitaus besserer Darsteller war, als sein Ruf als Trinker und Draufgänger es vermuten ließe, stellt als Ben Rolf seine Tiefgründigkeit eindrucksvoll unter Beweis und Bette Davis (Tante Elizabeth) ist natürlich unbestritten eine Leinwandlegende.
Sie alle verhelfen "Landhaus der toten Seelen" zu seiner bedrückenden, gespenstischen Atmosphäre.

Wenn man "Landhaus der toten Seelen" zum ersten Mal sieht, wäre es fatal, sich einen Haunted House Film mit übersinnlichen Phänomenen und zahlreichen Effekten zu erwarten. In der Tat offenbart er sein Wesen nicht unbedingt unmittelbar, sondern entfaltet seine Wirkung erst nach und nach, vielleicht sogar erst mit etwas zeitlichem Abstand.
Gegen Ende hin gerät die Handlung jedoch ganz rasant in Fahrt und wen der vornehmlich psychologische Grusel bis zu diesem Punkt nur ein müdes Lächeln gekostet hat, der wird vielleicht durch die Kompromisslosigkeit und Radikalität des Finales doch noch etwas versöhnlich gestimmt.




Foto: Mediabook von NSM und amerikanische DVD (MGM)



Sonntag, 27. August 2017

THE DEVIL'S RAIN (1975)















NACHTS, WENN DIE LEICHEN SCHREIEN
NACHTS, WENN DIE ZOMBIES SCHREIEN

USA 1975
Regie: Robert Fuest
DarstellerInnen: Ernest Borgnine, Tom Skerritt, Joan Prather, Eddie Albert, William Shatner, Ida Lupino, Keenan Wynn, Anton LaVey, John Travolta u.a.


Inhalt:
Mister Preston taucht in strömendem Regen mit leeren Augenhöhlen und wächsernem Gesicht vor seiner Frau und Sohn Mark auf, stammelt etwas von einem Buch, das einem gewissen Corbis, der sich in der Wüste aufhält, zurückgegeben werden soll und schmilzt vor seinen Liebsten dahin, bis nur noch eine blubbernde zähflüssige Masse zu erkennen ist. "In nomine satanas" waren seine letzten Worte. Nicht nur die Mutter Preston, ihr Sohn Mark und der etwas entfernt lebende Sohn Tom befinden sich kurz darauf in einer misslichen Lage. Die gesamte Menschheit ist in Gefahr...


Sohnemann Mark guckt angewidert...


...während Papa Preston sich in einen Wachsfleck verwandelt


"Nachts, wenn die Leichen schreien" schafft es neben "Zombis geschändete Frauen" und "Die toten Augen des Dr. Dracula" ganz locker in die Top 10 der lächerlichsten deutschen Horrorfilmtitel. Doch während man betonen muss, dass die beiden anderen Genannten schlicht und einfach der düsteren und stimmungsvollen Atmosphäre nicht gerecht werden, hat man mit "Nachts, wenn die Leichen schreien" keinen Film-Frevel begangen.
Man hätte ihn genauso gut bzw. auch passenderweise "Guck mal, wer am schönsten schmilzt" oder "Corbis' Wachsgesichter-Sekte" nennen können ohne dem Werk einen Image Schaden zuzufügen.

In Amerika hat dieser Horrorfilm des britischen Regisseurs Robert Fuest ("Tödliche Ferien") einen kleinen Kultstatus inne. Zu seiner Entstehungszeit war er ein absoluter Hit in den Drive-Ins und wurde dann später ins Programm diverser TV Sender aufgenommen und wiederholt gezeigt.
Haben wir es also mit einer hierzulande unbekannten Legende von Film zu tun?
Das wage ich zu bezweifeln!
Muss man "Nachts, wenn die Leichen schreien" gesehen haben? Entscheidet selbst...

Der Vorspann mit den Bildern von Hieronymus Bosch und dem vielstimmigen Fegefeuer-Wehklagen ist ohne Zweifel ein vielversprechender Anfang. Kaum etwas eingestimmt, befindet man sich sofort in medias res. Es dauert keine drei Minuten bis Papa Preston auf der Hausveranda aus seiner Form läuft und spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, dass man es mit einem Satanisten-Schmelzfilm zu tun hat.
Die Handlung ist völlig Banane, aber ich liebe sie.
William "Captain Kirk" Shatner als Mark Corbis guckt herrlich dumm aus der Wäsche, sprich: aus seinem Holzfällerhemd als sein Vater sich in einen blubberndem Brei verwandelt. Doch es kommt noch schlimmer. Just als er vor seinem Auto steht und eine wächserne Woodoo Puppe am Lenkrad findet, blitzt es im Haus und es sind Schreie vernehmbar.
Also zurück zum Haus, doch dort findet er nur den wimmernden Hausangestellten blutend kopfüber von der Decke hängend. Die Frau Mama ist weg. Ach du Schande!
So rasant setzt sich die Geschichte dann fort.
Auch wenn Vieles nicht wirklich Sinn ergibt, tut das der seichten Unterhaltung keinen Abbruch.
Wer sich wundert, wie Protagonisten von einer Sekunde von A nach B gekommen sind oder warum innerhalb einer Szene auch mal ein abrupter Wechsel der Tageszeit stattfindet, hat eindeutig den falschen Film im Player.

Ernest Borgnine in der Rolle des Leibhaftigen, der nach seiner Verwandlung wie das Ergebnis einer unglückseligen Kreuzung zwischen Ernest Borgnine und Fuchur (der Glücksdrache in "Die unendliche Geschichte") aussieht, war entweder eine mutige Besetzung oder zeugt vom Humor des Regisseurs und Maskenbildners.
Ich hätte ihn im Film nicht erkannt, aber offenbar gurkt auch ein blutjunger John Travolta unter einer Kapuze und ohne Augäpfel durch die Kulissen.

Apropos: Die Außenaufnahmen in der Wüste, die verlassene Western Stadt, durch die der Wind Dust-Devils treibt und die Sonnenuntergänge sind zum Teil ästhetisch berückend.
Doch bevor zu viel Atmosphäre aufkommt, wird man durch allerlei Merkwürdiges, Wundersames und unfreiwillig Komisches wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.

Ohne Frage weist "The devil's rain" einige markante Schwächen auf, die jedoch so offensichtlich und naiv sind, dass man sie schon wieder putzig finden muss. Den einprägsamen Satz, mit dem für den Film Werbung gemacht wurde, kann ich nur unterstreichen und werde ihn mal so stehen lassen:

(…)"They bring you a melting hell on earth and absolutely the most incredible, unforgettable ending of any motion picture ever."

...Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schmelzen sie noch heute...



Sonntag, 20. August 2017

LESETIPP: DAS ZOMBIE MAGAZIN



Das Magazin kam in schickem Umschlag und mit
Cuesta Verde Postkarte bei mir an



ZOMBIE MAGAZIN #18

Wenn es um "Poltergeist" geht, kann ich natürlich nicht widerstehen... Und schon gar nicht, wenn eine Postkarte aus Cuesta Verde mit dabei ist.

Et voilà: mein erstes "Zombie Magazin" fand Eingang in meine Sammlung.
Diese sympathische Zeitschrift mit dem flotten Retro-Artwork überzeugt nicht nur durch das ansprechende Design, sondern auch durch einen gut lesbaren, erfrischenden Schreibstil.
Die Poltergeist-Retrospektive beruht auf interessantem Fach- und Hintergrundwissen.
Mit einer gesunden Mischung aus professioneller bzw. distanzierter Analyse und dennoch unverhohlener Ehrfurcht vor diesem Film und seinen Machern widmet sich Herausgeber Markus Haage einem der vielen Poltergeist-Mysterien: Die Frage, wer nun tatsächlich im Regiestuhl saß - Steven Spielberg oder Tobe Hooper?

In der Retro-Moshpit Rubrik finden sich interessante Beiträge, die der Nachwelt nicht vorenthalten werden sollten wie z.B. Fotos aus dem Rambo (!) Malbuch von 1987 oder ein Foto, das bestimmt jeden "Day of the Dead" Fan vor Neid erblassen lässt.

Ein Artikel über Filme aus den Hammer Studios und fundierte Rezensionen über Filme, die jeder kennt und Filme, die noch viel zu wenig bekannt sind sowie eine Serien und Blu Ray Rubrik machen dieses schlanke Magazin von Fans für Fans zu einem kurzweiligen Lese-Vergnügen.
Ich denke, ich sollte mal einen Blick auf vergangene und zukünftige Ausgaben riskieren...

Wärmste Empfehlung für einstige (oder ewige) Kinder und Jugendliche des goldenen Videokassetten-Zeitalters, Retro-Fans und alle, die sich für phantastische Filme und filmische Pop-Kultur begeistern können!

Samstag, 12. August 2017

DIABOLIK (1968)















GEFAHR: DIABOLIK

Frankeich, Italien 1968
Regie: Mario Bava

DarstellerInnen: John Philip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli, Adolfo Celi, Claudio Gora, Mario Donen, Renzo Palmer u.a.

Inhalt:
Wenn er nicht gerade wieder ein spektakuläres krummes Ding dreht, ergötzt Gangster Diabolik sich an seinem eigenen Reichtum und dem Anblick seiner Freundin Eva Kant. Die beiden genießen die gemeinsamen Stunden ebenso wie die Adrenalin Kicks, die ihnen diverse Raubüberfälle bescheren. Doch Bösewicht Signor Valmont und der ehrgeizige Inspektor Ginko wollen Diabolik um jeden Preis das Handwerk legen...


Diabolik (Law) im stylischen Kostüm


Nicht nur vor der Kamera harmonisch: Mell und Law


Nein, er ist kein Super-Held, sondern ein wahrer Super-Schurke!
Die ersten Diabolik-Geschichten der frühen Sechziger Jahre stammen aus der Feder der kreativen Schwestern Giussani aus Mailand und richteten sich, im Gegensatz zu bisher hanelsüblichen Comics, an die Zielgruppe der Erwachsenen. Ihr Erfolg war beachtlich und zog weitere Fumetti neri Reihen wie "Kriminal", "Luzifera" oder "Satanik" nach sich. Bis heute finden sich an jedem gut sortierten italienischen Zeitungskiosk neben den gelben Kriminalromanen aus dem berühmten Mondadori-Verlag auch Fumetti neri.
Bei dieser speziellen Art von Comic werden düstere Geschichten voller Sex und Gewalt erzählt. Die ProtagonistInnen sind zumeist Anti-Helden.
Die in Italien überaus erfolgreiche Fumetti neri Serie "Diabolik" wurde im Jahr 1968 von niemand Geringerem als Regisseur Mario Bava ("Die toten Augen des Dr. Dracula"), einem unbestrittenen Meister der Ästhetik, verfilmt.


Eignen sich (immer noch) als Strandlektüre, Heimlektüre und
Souvenirs für italophile Freunde


Der Weg zu seinem größten kommerziellen Erfolg gestaltete sich für Signor Bava etwas holprig.
Zuerst musste er nämlich gewisse Hindernisse und Unannehmlichkeiten am Set überwinden. Die Anwesenheit der vielen Pressefotografen bereiteten ihm ähnliches Unbehagen wie das ungewohnt große Team und das für seine Begriffe überdimensionierte Budget, für das er verantwortlich war. Bald nach dem Start der Dreharbeiten kam es zum Zerwürfnis mit der ursprünglichen Eva Kant Darstellerin Catherine Deneuve. Nach deren Rauswurf konnte die Österreicherin Marisa Mell ("Nackt über Leichen"), die sich gerade auf dem Zenit ihrer Schönheit und Filmkarriere befand, für die Rolle der Diabolik-Gefährtin gewonnen werden.
Hauptdarsteller John Philipp Law (Diabolik) und Marisa Mell erwiesen sich als perfektes Leinwand-Paar. So perfekt, dass sie sogar abseits der Kameras eine Liaison eingingen.
Bezüglich der Kostüme wurde auch nichts dem Zufall überlassen. Effekte-Spezialist und späterer Oscar-Preisträger Carlo Rambaldi entwarf den schwarz glänzenden zeitlos-stylischen Diabolik Anzug.

Ab diesem Zeitpunkt waren dann alle Weichen gestellt für einen bis heute unverändert ästhetischen und unterhaltsamen Film, der selbst Jahrzehnte nach seiner Entstehung Generationen von CineastInnen in Verzücken versetzt.


Diaboliks schmucker Unterschlupf


Mario Bavas Kunststück bestand darin, die Stilmittel der gezeichneten Vorlage möglichst exakt zu übernehmen und gleichzeitig weiterzuentwickeln. Für Diaboliks hypermodernen Unterschlupf kreierte er mithilfe von Farben, Beleuchtung und Designer-Kulisse ein ganz einzigartiges Ambiente.
Die Handlung von "Gefahr: Diabolik" orientiert sich am gezeichneten Vorbild - Action und Erotik kommen hier keinesfalls zu kurz.
Ennio Morricones vielseitiger Soundtrack umfasst verspielte, psychedelische und teils von Western inspirierte Stücke, die das Sahnehäubchen auf diesem cineastischen Kunstwerk sind.

Ein Film, bei dem die Credits schon verführerisch wirken. Bunt, hypnotisch, psychedelisch und mit einlullender Musik fällt man unweigerlich "deep, deep down" in das jegliche Aufmerksamkeit auf die Leinwand fokussierende Diabolik-Universum.
"...You in my mind deep down, in my heart deep down..."  ist nicht nur ein Songtext, sondern zugleich ein verführerisches Angebot, das der Film dem geneigten Publikum offeriert.




Foto ganz rechts: US DVD von Paramount



Sonntag, 23. Juli 2017

ALLA RICERCA DEL PIACERE (1972)















HAUS DER TÖDLICHEN SÜNDEN
AMUCK (Alternativtitel)

Italien 1972
Regie: Silvio Amadio

DarstellerInnen: Farley Granger, Barbara Bouchet, Rosalba Neri, Umberto Raho, Peter Martinovitch, Nino Segurini, Patrizia Viotti, Dino Mele u.a.

Inhalt:
Die aus London stammende Greta Franklin zieht als Privatsekretärin in die Villa des Schriftstellers Richard Stuart. In Wirklichkeit geht es ihr nicht um den attraktiven Job in Venedig, sondern um die Suche nach ihrer verschwundenen Freundin Sally, die bis vor Kurzem ebenfalls Sekretärin im Hause Stuart war. Richard und seine Frau Eleanora verhalten sich von Anfang an so, als ob sie etwas vertuschen möchten. Leider glaubt der für den Vermissten-Fall zuständige Kommissar nicht an Gretas Hypothesen und Verdächtigungen. Deshalb muss die junge Frau ohne jegliche Unterstützung ermitteln...


Neri und Bouchet in einer der wenigen Stadt-Szenen


Nicht nur mit Waffe gefährlich: Eleanora (Neri)


"Haus der tödlichen Sünden" tanzt etwas abseits des großen Giallo Reigens. Wer die Vorzüge dieses Genres ausschließlich über Fetisch, Lederhandschuhe und Rasierklingen definiert, könnte sich bei diesem Film langweilen. Für alle anderen gilt es, eine feine italienische Thriller-Rarität zu entdecken.

In gewisser Weise können bei diesem Film handlungstechnisch Parallelen zu Mario Bavas Genre-Initialzündung "La ragazza che sapeva troppo" gezogen werden. Greta (Barbara Bouchet) ist wie die Protagonistin in Bavas Klassiker eine Frau, die einen Mord aufklären möchte, sich dabei der Gefahr ihres Vorhabens aber nicht immer völlig bewusst zu sein scheint.
Im Gegensatz zu den weitaus häufiger skizzierten Frauen-Stereotypen im Giallo, in denen die Darstellung der Frauen auf die Rolle des (potentiellen) Opfers oder der irren Täterin reduziert wird, betätigt sich Greta detektivisch. Dabei ist sie ganz auf sich allein gestellt und darf keinem Menschen trauen.
Dennoch ruft ihre "Ermittlungstaktik" etwas Kopfschütteln hervor.
Sie lässt sich mehrmals unter Drogen setzen, nimmt an den sexuellen Ausschweifungen im Haushalt des dekadenten Paars teil und zieht auch nicht von dannen, als auf sie geschossen wird.
Greta nistet sich in der Villa ein wie die Made im Speck, sammelt Informationen, beobachtet und wartet ab, was passiert.
Ihre Beharrlichkeit, mit der sie trotz der ihr entgegengebrachten subtilen und offenen Feindseligkeit im Stuart Haushalt verweilt, wirkt radikal, könnte in manchen Momenten aber auch negativ als "naiv" gedeutet werden.
Ähnlich wie bei Gregory Moore, der sich in "Malastrana" sehenden Auges in Lebensgefahr begibt, um das Verschwinden seiner Freundin aufzuklären, besteht auch bei Greta eine tiefere emotionale Bindung zu der vermissten Sally. Wie bei Gregory wird auch für sie die Suche nach der Wahrheit zu einer Obsession. Aktuelle Gefahren werden ausgeblendet oder sind nicht von Bedeutung.

Rosalba Neri ("Der Triebmörder") als Eleanora Stuart ist in diesem Film die absolute Wucht und stiehlt Frau Bouchet fast etwas die Show. Ihre Outfits, die größtenteils aus dem privaten Kleiderschrank der italienischen Diva entlehnt wurden, sind eine Augenweide.
Neris Mimik, die lüsternen Blicke, ihre aufreizende und zugleich Gefahr signalisierende Aura sind von beeindruckender Intensität. Sie hat das Aussehen einer Sphinx und lockt wie eine Sirene.
Daneben wirkt der routinierte Brite Farley Granger ("Cocktail für eine Leiche") als überheblicher Schriftsteller zwar in überzeugendem Maße distinguiert, aber beinahe etwas blass um die Nase.
Umberto Raho ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe") schleicht als zugeknöpfter und dubioser Butler durch die Gänge.
Peter Martinovitch ("Lady Frankenstein") spielt den Fischer, dessen körperliche Größe, Stärke und Potenz sich umgekehrt proportional zu seiner Intelligenz verhalten.

Dass die Hauptverdächtigen ein Schriftsteller und seine exzentrische Frau sind, bringt einen besonderen poetischen Bezug in den Film. Die Stuarts lassen sich allerlei durchtriebene, kreative Psycho-Spielchen einfallen, um der neugierigen Sekretärin das Spionieren zu vergällen. Damit wollen sie nebenbei die Überlegenheit ihres Intellekts demonstrieren.
Besonders interessant wird es, als der Autor beginnt, der schon etwas verstörten Greta eine Giallo Geschichte über einen Mord an einer Sekretärin auf Band zu sprechen.
Mit stilistisch blumigen Satzkonstruktionen und Redewendungen wie "Una solitudine senza nome" (ich schmelze bei diesen schönen italienischen Formulierungen dahin) erzählt er eine düstere Geschichte, die leider beängstigend real klingt.

"Haus der tödlichen Sünden" ist ein famoses Katz und Maus-Spiel, das sich hauptsächlich in einer stilvoll eingerichteten Villa irgendwo in der Lagune nahe Venedig abspielt. Die Stadt selbst kommt in einigen Szenen zwar vor, aber nicht auf eine prominente Art und Weise wie zum Beispiel in den klassischen Venedig-Gialli "The Child – Die Stadt wird zum Alptraum" oder "Anima Persa".

Die Giallo-Perle "Haus der tödlichen Sünden" war über Jahrzehnte nicht offiziell in ungekürzter Fassung erhältlich und wurde nun vom Label "Camera Obscura" endlich entsprechend gewürdigt.
Die aktuelle Veröffentlichung lässt qualitativ keine Wünsche offen. Es wurden auch keine Kosten und Mühen gescheut, den Sohn des Regisseurs und die großen Damen des italienischen Kinos aus der guten alten Zeit, Barbara Bouchet und Rosalba Neri, zu interviewen. Der Soundtrack, der in all seiner Düsternis eher an einen Gotik-Horrorfilm erinnert, ist sogar als Extra auf CD enthalten.
Für mich handelt es sich bei dieser "Camera Obscura" Blu Ray um eine der schönsten Veröffentlichungen des Jahres.




Foto: Die lohnenswerte Camera Obscura Blu Ray




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Donnerstag, 13. Juli 2017

SPECIAL: PHÄNOMENALE DREHORTE IN DER SCHWEIZ

Heute öffne ich wieder einmal meine virtuelle Fotokiste für euch. Schon über 10 Jahre bevor dieser Blog entstanden ist, haben wir es uns zur Angewohnheit gemacht, diverse Drehorte zu besuchen und Fotos davon zu machen. Im Laufe der Zeit ist dabei Einiges zusammengekommen...
Ich hoffe, dass ihr beim Betrachten der Bilder ähnlich viel Spaß habt wie ich beim Zusammenstellen.

Es geht, wie am Titel des Specials unschwer erkennbar, dieses Mal um einen meiner Lieblingsfilme, nämlich Dario Argentos "Phenomena".
Dieser wurde zu einem großen Teil in der Schweiz gedreht. Meine Fotos sind in einem Zeitraum von circa einem halben Jahr entstanden.
Jeder dieser Ausflüge war etwas ganz Besonderes und seither sehe ich den Film mit anderen Augen.
Ein wenig traurig bin ich immer noch, dass mir der gelbe Bus, der auf der Bergstraße nahe dem Säntis unseren Weg kreuzte, durch die Lappen gegangen ist. Ich war wirklich nicht darauf gefasst, dass diese Landbusse immer noch so aussehen wie in den 80ern.

Sommer 2015: Säntis, Bergstraßen, Wasserfall, Haus am Waldrand
Herbst 2015: Zürich, "Internat", Villa am See (in der Frau Brückner wohnt)
April 2016: Standseilbahn; rotes Fachwerkhaus, vor dem Jennifer von jungen Schweizer Rowdies angefahren wird

Wer sich aufgrund der Anzahl der folgenden Bilder denkt, wir sind wegen diesem Special völlig durchgeknallt, der hat vermutlich Recht. Wenn schon, denn schon...

Mein Bildvergleich (Screenshots wie von der "Drehorte-Rubrik" gewohnt linksbündig, eigene Fotos zentriert):