Geisterdorf

Geisterdorf
Italien März 17

Donnerstag, 31. Juli 2014

SETTE NOTE IN NERO (1977)


DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN
Italien 1977
Regie: Lucio Fulci
DarstellerInnen: Jennifer O'Neill, Gabriele Ferzetti, Marc Porel, Gianni Garko, Ida Galli (aka Evelyn Stewart) u.a.


Inhalt
Virginia hat seit frühester Kindheit Visionen. Sie ist jedoch nicht verrückt, sondern hellsichtig. Seit einem halben Jahr ist die gebürtige Engländerin mit dem Italiener Francesco Ducci verheiratet und lebt in Florenz. Eines Tages hat sie wieder eine verstörende Vision, aufgrund derer sie einen Mord im Ferienhaus ihres Gatten vermutet.
Tatsächlich findet sie hinter einer Mauer die skelettierten menschlichen Überreste einer Frau – alles scheint mit ihrer Eingebung übereinzustimmen. Francesco wird kurz darauf von der Polizei verhaftet. Für die starrköpfigen italienischen Kommissare ist er der einzige Verdächtige.
Virginia ist jedoch von der Unschuld ihres Angetrauten überzeugt und beginnt auf eigene Faust Indizien zusammenzutragen und nach Beweisen zu suchen, die die tatsächlichen Geschehnisse ans Licht bringen sollen.
Dadurch begibt sie sich selbst in eine tödliche Gefahr...


Virginia


Die undurchschaubare Schwester (Galli)


Der vom Label 84 erstmalig auf Deutsch sychronisierte Giallo von Regie-Exzentriker Lucio Fulci verbindet bereits bekannte Elemente wie die eingemauerte Leiche (vgl. die Edgar Allan Poe-Episode in "Two evil eyes" oder "Il tuo vizio è una stanza chiusa e solo io ne ho la chiave"), den Klippensturz aus "Non si sevizia un paperino" und eine genretypische who-done-it-Geschichte mit der geheimnisvollen Atmosphäre eines Mystery-Thrillers.

Nicht nur die beängstigende und für sie selbst irritierende Gabe der Haupt-Protagonistin fällt unter die Kategorie "mysteriös".
Ebenso seltsam erscheint die Beziehung zwischen Virginia und ihrem Mann, der ihr gegenüber weder besonders charmant wirkt noch sonst irgendwelche liebenswerten Eigenschaften zu haben scheint.
Es bleibt mir ein Rätsel, warum Virginia auf Anhieb von der Unschuld Francescos überzeugt ist und sich für den verschlossen wirkenden Mann dermaßen ins Zeug legt.
Vielleicht hat sich Sacchetti auch gedacht, dass Frauen generell naiv und emotional abhängig von ihren Partnern sind. Vielleicht ließ sich so die Geschichte interessanter gestalten. Oder die berühmte rosarote Brille hat die frisch verheiratete Frau schlichtweg dermaßen verklärt, dass sie ihren Göttergatten niemals in Frage stellen würde. Wer weiß das schon.

Dardano Sacchetti, der als Drehbuchautor für Filme wie "Der Todesengel", "Das Haus an der Friedhofmauer", "Die Killer der Apokalypse" und "Die neunschwänzige Katze" fungierte, hat für "Die sieben schwarzen Noten" ein intelligentes (Verwirr-)Spiel mit der Erwartungshaltung der Zuschauer ausgetüftelt.
Er besteht in einem Interview für das Bonusmaterial der amerikanischen DVD übrigens darauf, dass er (entgegen der weit verbreiteten Meinung) der alleinige Urheber des Drehbuchs gewesen sein soll und Fulci nicht direkt daran beteiligt war.

Auch wenn der Abspann schon längst über die Leinwand geflimmert ist, mache ich mir noch Gedanken über den Sinn von Präkognition und Hellsichtigkeit. Es liegt in der Natur der Sache, dass man vergangene Ereignisse nicht ändern kann und es ist sowohl unter Philosophen als auch Cineasten umstritten, ob man zukünftige Ereignisse durch das Wissen darüber beeinflussen kann.
Ich frage mich, ob die Fähigkeit Virginias eher als eine Gabe oder ein Fluch (wie bei der bemitleidenswerten Kassandra in der griechischen Mythologie) zu sehen ist.
Um Spoiler zu vermeiden und weil es auf diese Fragen sowieso keine Antwort gibt, verzichte ich an dieser Stelle auf weiterführende gedankliche Verrenkungen.

Besonders lobenswert sind in diesem Film die Hauptcharaktere, zwei Frauen.
Neben Jennifer O'Neill überzeugt vor allem die schauspielerische Darbietung von Ida Galli (aka Evelyn Stewart), die die Schwester von Francesco spielt. Sie strahlt eine perfide Mischung zwischen Arroganz und Hinterlistigkeit aus, sodass man sich nie ganz sicher ist, ob sie nicht ein falsches Spiel mit Virginia treibt.
Und auch der mit Virginia befreundete Parapsychologe (Marc Porel) hätte ein Motiv für eine Verschwörung gegen den ungalanten Ehemann. Letzterer, den man als Mörder natürlich auch nicht ganz ausschließen kann, wird gekonnt unsympathisch gespielt von Gianni Garko, u.a bekannt durch "Sartana" und "Der Teufel führt Regie".

Der zeitlos schöne und eingängige Soundtrack fügt sich gelungen in das Gesamtwerk ein und erfreut sich auch heutzutage noch einer gewissen Beliebtheit (wobei er weniger diesem als einem populäreren Film der neueren Generation zugeordnet wird, aber das ist ein anderes Thema...).

Eindeutig hebt sich "Die sieben schwarzen Noten" durch eine detailreich konstruierte Handlung aus dem Strom anderer Gialli positiv hervor.
In die allgemein verbreitete Lobhudelei kann ich jedoch nicht einstimmen. Mich spricht zwar die paranormale Komponente und die Morbidität des Films an. Dennoch würde ich ihn niemals in einem Atemzug mit dem bildgewaltigen und psychologisch fundiert aufgebauten "Una lucertola con la pelle di donna" oder einem "Non si sevizia un paperino" nennen wollen.
"Die sieben schwarzen Noten" stellt meiner Meinung nach eine Art Bindeglied zwischen Lucio Fulcis älteren Werken und seinen darauf folgenden Horrorfilmen dar und ist für Leute, die mit beiden Genres etwas anfangen können, auf jeden Fall interessant.




Foto: DVD vom Label Severin und die schöne VÖ vom Label '84




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Sonntag, 27. Juli 2014

SENTENZA DI MORTE (1968)














DJANGO – UNBARMHERZIG WIE DIE SONNE
Italien 1968
Regie: Mario Lanfranchi
DarstellerInnen: Robin Clarke, Enrico Maria Salerno, Richard Conte, Adolfo Celi, Tomas Milian, Lilli Lembo, Luciano Rossi, Eleonora Brown, Monica Pardo u.a.


Inhalt
Diaz, Montero, Bruder Baldwin und O'Hara. Das sind die Namen, die auf der Todesliste von Django (im Originalton: "Cash") stehen. Sie haben einst seinen Bruder ermordet und jetzt soll einer nach dem anderen dafür mit seinem Leben bezahlen...


Die Sonne - unbarmherzig zu Django


Gegner leben nicht lange


Regisseur Mario Lanfranchi wollte nach eigenen Angaben einen Western drehen, da ihn "die Poesie der Gewalt" thematisch faszinierte und er sich auf theoretischer und praktischer Ebene damit befassen wollte.
Der unter seiner Federführung (er war nicht nur verantwortlich für die Regie, sondern auch für Drehbuch und Casting) im Jahr 1968 entstandene Film ist augenscheinlich keiner der beliebtesten Italowestern und eignet sich mehr für alteingesessene Fans des italienischen Kinos als für Genre-Neulinge.
Zugegebenermaßen kann er sich nicht mit einem "Leichen pflastern seinen Weg", "Satan der Rache" oder "Friedhof ohne Kreuze" messen. Für mich zählt er aber dennoch zu den besseren Rache-Western.
Der treffende und nihilistische Originaltitel "Sentenza di morte" (Todesstrafe) passt hervorragend. Leider wurden aber seit Sergio Corbuccis Kultwestern "Django" viele deutsche Italowestern durch Synchronisation und deutschen Titel "ver-djangot", um einen Zusammenhang mit dem Erfolgsfilm zu suggerieren.

Bei "Django – unbarmherzig wie die Sonne" wurde zugunsten der sorgfältig choreographierten und detailreichen Konfrontationen unseres Antihelden mit seinen Gegnern auf Nebensächliches wie beispielsweise die Suche nach den Bösewichten oder der Ritt von einem Ort zum anderen gänzlich verzichtet.
Deshalb wird der Film häufig als "episodenhaft" bezeichnet, obwohl er eine an sich stringente Story erzählt.

Django wirkt unnahbar und unantastbar. Seine Gedankenwelt und Emotionen scheinen unergründlich. Nicht nur, dass er keine Gnade kennt, er weist auch jegliche Annäherungsversuche von Frauen zurück und scheint weder Freundschaften noch Bindungen eingehen zu wollen.
Alles, was ihm auf irgendeine Art gefährlich werden und ihn an der Umsetzung seines Racheplans hindern könnte, weist er von sich und seine Gegner eliminiert er ohne zu zögern mit seinem schnellen Finger am Abzug.
Eindeutig im Vordergrund stehen die Duelle, die nicht nur mit dem Schießeisen ausgetragen werden, sondern auch psychologischer Natur sind. Wie Django seine Widersacher aus ihren Verstecken hervorlockt, demütigt und peinigt ist nämlich auf's Genauste ausgeklügelt.

Lanfranchi hat sich für seinen Western vier der professionellsten und ausdrucksstärksten Schauspieler, die das italienische Kino zur damaligen Zeit zu bieten hatte, ans Set geholt.
Alle verkörpern eindringlich ihre Rolle als Bösewicht und einer scheint dabei den anderen übertrumpfen zu wollen.


Diaz (Richard Conte)

Diaz – gespielt von Richard Conte, (u.a. bekannt als Mafiapate in "Der Teufel führt Regie"), liefert sich einen gnadenlosen Kampf auf seinem Grundstück, bevor der Unterlegene in die Wüste fliehen muss wo er einen qualvollen Tod erleidet.


Montero (Enrico M. Salerno)

Den eitlen und skrupellosen Spieler Montero verkörpert niemand Geringerer als Enrico Maria Salerno (u.a. zu sehen als Kommissar in "Das Syndikat" oder "Fango Bollente").
Montero geht es weniger um den Geldgewinn beim Pokern. Es befriedigt ihn, seine Gegner zu erniedrigen.
Django lässt sich mit ihm nicht nur auf ein Pokerspiel, sondern auch auf ein zermürbendes Psychoduell ein. Es geht um alles oder nichts.
Der letzte von ihm geforderte Einsatz ist das eigene Leben.


Baldwin (Adolfo Celi)

"Du trägst das Gewand eines Priesters, aber du bist der Teufel!" (Ein zum Tode Verurteilter zu Baldwin)

Der äußerst scheinheilige und gefürchtete Bruder Baldwin wird von Adolfo Celi (auch grandios in "Yankee" und sehr lässig in "Der Mafiaboss") dargestellt. Celi beeindruckt in dieser Rolle durch sein theatralisch-pathetisches Geschwätz und die dazu passenden Gesten.
Bruder Baldwin bastelt sich eine eigene Welt zurecht, in der seine kruden Moralvorstellungen seine Gewalttätigkeit (vor Gott) rechtfertigen.
Er ist aufgrund seiner Skurpellosigkeit ein harter Gegner für Django.


O'Hara (Tomas Milian)

Und wenn man nach den ersten Duellen denkt, dass sich kein gemeinerer und verrückterer Gegner mehr finden lässt, so hat man die Rechnung ohne Tomas Milian (u.a. bekannt aus "Der Berserker" oder "Der Todesengel") gemacht.
Milian ist(!) O'Hara, ein neurotischer und fanatischer Albino, der ebenso irre und gefährlich wie unberechenbar scheint. Milians Schauspiel ist wie immer intensiv und authentisch.
Der psychisch gestörte O'Hara ist einzig durch seine zwei Fetische angreifbar: Gold und blonde Frauen.
Und beide bringt Django gezielt zum Einsatz. Es kommt zum Showdown in einer verlassenen Ruine einer Kirche inmitten der Wüste. Die Abend und Nachtszenen erzeugen eine fast apokalyptische Stimmung.
O'Hara lässt Django sein eigenes Grab schaufeln - wer von beiden wird darin enden?

Wen die klingenden Namen sowie die Erscheinung von Parade-Bösewicht Luciano Rossi erfreut, der macht mit "Django – unbarmherzig wie die Sonne" einen guten Griff.
Der passende Soundtrack von Gianni Ferrio (u.a. komponierte er für "Blutspur im Park" oder "Das Grauen kam aus dem Nebel") ist eine nette Untermalung und wird zum Ende hin regelrecht düster, kann sich aber qualitativ nicht deutlich genug von anderen Western Soundtracks hervorheben.




Foto: schönes Digipack von Koch Media




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Sonntag, 20. Juli 2014

IL GRANDE RACKET (1976)














RACKET
Italien 1976
Regie: Enzo G. Castellari
DarstellerInnen: Fabio Testi, Vincent Gardenia, Renzo Palmer, Orso Maria Guerrini, Glauco Onorato, Marcella Michelangeli, Romano Puppo, Salvatore Borghese, u.a.


Inhalt
Italien 1976. Nicht ein alteingesessener Mafiaclan, sondern eine neue Form von organisiertem Verbrechen in der Gestalt eines Rings von Schutzgelderpressern (Racket), versetzt ganze Städte in eine Art Ausnahmezustand.
Brutalste Überfälle auf offener Straße und durch Feuer oder zügellose Gewalt zerstörte Geschäfte versetzen viele Bürger in Angst und Schrecken.
Nico Palmieri, mit Leib und Seele Polizist, legt viel Ehrgeiz bei der Verfolgung des sich gerade in Rom etablierenden Rackets an den Tag.
Zu viel für den Geschmack seiner Vorgesetzten und eines schmierigen Anwalts, dem es jedes Mal gelingt, die Verdächtigen einer gesetzlichen Verfolgung zu entziehen.
Nach vielen kreativen Ermittlungsversuchen und noch mehr herben Rückschlägen wird Palmieri zu allem Übel auch noch von seinem Vorgesetzten suspendiert.
Doch dies hindert ihn nicht daran, die Verfolgung der Verbrecher fortzusetzen. Immerhin war er den Hintermännern des Rackets gerade dicht auf der Spur.
Getrieben von Fanatismus und Rachsucht schmiedet Palmieri einen radikalen Plan, um den gut organisierten Schurken endgültig den Gar aus zu machen…


Palmer: Trauer um die Tochter


Zoff in der Truppe


Verantwortlich für „Racket“ ist niemand geringerer als der talentierte italienische Regisseur Enzo G. Castellari ("Ein Haufen verwegener Hunde", "Keoma", "Ein Bürger setzt sich zur Wehr").
Castellari, von Quentin Tarantino in einigen Interviews als eines seiner Vorbilder deklariert, hat mit "Racket" einen kultigen Exploitation-Kracher im Gewand eines Poliziottesco geschaffen.


Enzo Castellari + Film = Action!


Seine überspitzte Darstellung mit dem einer unverkennbaren Neigung zu Superlativen war genau das, was das italienische Publikum damals in den Kinosesseln vor Begeisterung jubeln ließ.
Und ihm gleichzeitig negative Kritik einbrachte.

Man könnte Castellari fast schon als "verkanntes Genie" bezeichnen, denn allzu oft wurde er von der italienischen Kritiker-Riege für seine vermeintliche Misogynie kritisiert und ihm sogar Rechtsradikalität und Rassismus vorgeworfen.

Allgemein gab es zur Blütezeit des Poliziottesco viele paranoide Journalisten mit Moralapostel-Keule, die hinter jedem Film, der das Thema Selbstjustiz deren Meinung nach zu unkritisch behandelte, faschistoide Stimmungsmache der verantwortlichen Regisseure witterten.
Man hätte Castellari natürlich auch dazu interviewen bzw. ihm einfach einmal zuhören können, bevor man derart rufschädigende Zuschreibungen macht.
Aber worüber hätte man denn dann schreiben sollen?

"Racket" ist ein exzellentes Beispiel für das in den Siebzigern beliebte und sicherlich umstrittene Exploitation-Kino, das sogar noch Eurocult-Fans der heutigen Generation in zwei Lager teilt:
Die einen verurteilen diese Art von Film aufgrund von "selbstzweckhafter Darstellung von Gewalt" und die anderen mögen das Genre genau aus diesem Grund.
Hier werden alle niederen Instinkte bedient, moralische Grenzen überschritten und mit der Kamera draufgehalten, wenn bei anderen Filmen abgeblendet wird.
"Racket" bietet nicht nur alles, was der Unterhaltung dient, sondern schießt als Exploitation-Granate klarerweise gnadenlos über das Ziel hinaus.
Neben der Darstellung von brutalen Schlägereien, Schusswechseln, Vergewaltigungen, Explosionen und Verfolgungsjagden, lebt er aber in erster Linie von seinen Darstellern.

Fabio Testi spielt mit nicht zu verleugnender Authentizität den übereifrigen Polizisten Nico Palmieri, der fast familiär anmutende Kontakte zu seinen Informanten aus der Unterwelt pflegt und nicht davor zurückschreckt, Verdächtige vor (!) einem Verhör erst mal ordentlich zu vermöbeln.
Nachdem er vom Polizeidienst suspendiert wird, stellt er sich eine kleine, aber denkwürdig irre und brandgefährliche Truppe zusammen.

Es handelt sich bei den Mitgliedern um allesamt gescheiterte Existenzen, vom Schicksal gebeutelt, deren einziges gemeinsames Ziel die Rache (Vendetta!) an den Mitgliedern des Rackets ist:
Da hätten wir den Vater (hingebungsvoll dargestellt von Renzo Palmer), der das Schutzgeld für seine Pizzeria nicht zahlen wollte und dessen minderjährige Tochter in der Folge von den Schergen des Erpresserrings mehrfach vergewaltigt wurde, sodass sie sich kurz darauf suizidierte.
Dann wäre da noch Gianni Rossetti (Orso Maria Guerrini), der Olympiameister im Tontaubenschießen, der Palmieri einst bei einer Schießerei mit den Gangstern beherzt beigestanden hat und dessen Frau dafür auf grausame Art und Weise ihr Leben lassen musste.
Ebenfalls mit von der Partie ist der Spielhöllen- und Nachtclubbesitzer Mazzarelli (Glauco Onorato), der sich weigerte mit dem Racket zu kooperieren und seit einer bösen Attacke mit einem Auto nur noch in einem Stahlkorsett unterwegs ist.
Auch der Profidieb "Onkel" Pepe (der sympathische Vincent Gardenia, u.a. bekannt als Inspektor im Selbstjustiz-Thriller "Ein Mann sieht Rot"), der Palmieri ebenfalls helfen wollte, aber von den "bösen Buben" reingelegt wurde und dabei seinen Neffen verlor, hat ein persönliches Rache-Motiv.
Und - last but not least - gibt es da noch Domenico (der imposante Gigant Romano Puppo), der als "der Amokläufer von Mailand" Berühmtheit erlangte und sich als Experte im Umgang mit dem Maschinengewehr auszeichnet.

Fünf Männer mit einem Haufen Gewehrmunition, Sprengstoff im Gepäck und unendlich großem Hass im Herzen.
Das hört sich doch nach genügend Zündstoff für den ultimativen Kampf an, oder?
Und Castellari wäre nicht Castellari, wenn er das Feuerwerk an explodierender Munition und Emotionen für den finalen Showdown in einer verlassenen Fabrik nicht auf großartige Weise inszeniert hätte.

KAWUMM!!!
Love it or hate it.

Lieblingsszene:
Palmieri gerät mit seinen Polizeikollegen in einen Hinterhalt der Mitglieder des Rackets.
Diese sprengen mehrere Polizeiautos in die Luft und erschießen die übrigen Polizisten, bis nur noch Palmieri übrig bleibt.
Da eilt ihm plötzlich ein couragierter Zivilist, der sich später als Olympiameister im Tontaubenschießen herausstellt, der klarerweise sein Gewehr und scharfe Munition dabei hat, zur Hilfe und beweist, was für ein guter Schütze er ist...

Danach kommt es zu folgendem denkwürdigen Dialog:

Palmieri: "Ich bin Inspektor Palmieri."
Rossetti: "Ich heiße Rossetti. Wissen Sie, ich bin ein Sportschütze und als ich von dem Überfall hörte, da dachte ich, ich müsste Ihnen helfen."
Palmieri: "Danke, Sie haben uns sehr geholfen. Sollte ich noch Fragen haben, werde ich auf Sie zurückkommen."


"Racket" ist eindeutig ein Film, für den man Verständnis für das Exploitation-Kino der Siebziger benötigt.
Unterhaltsam von der ersten bis zur letzten Sekunde. Heutzutage in dieser Form absolut nicht mehr für Kinos geeignet.
Die Zeiten haben sich geändert und das ist (in manchen Punkten) auch gut so.




Foto: Eyecatcher und Blue Underground DVD




Aushangfoto: Testi in Action




Trailer (aus dem Archiv von Italo-Cinema)



Samstag, 12. Juli 2014

UNA FARFALLA CON LE ALI INSANGUINATE (1971)














BLUTSPUR IM PARK
DAS MESSER (Alternativtitel)
Italien 1971
Regie: Duccio Tessari
DarstellerInnen: Carole André, Helmut Berger, Lorella De Luca, Wendy D'Olive, Ida Galli (aka Evelyn Stewart), Dana Ghia, u.a.


Inhalt
Bergamo, Italien. Eine erst 17 Jahre alte französische Studentin wird in einem öffentlichen Park brutal ermordet. Der vermeintlich Schuldige, ein Fernsehmoderator namens Alessandro Marchi, wird in einem Indizienprozess verurteilt und landet im Gefängnis. Seine Frau vergnügt sich derweil mit einem Freund der Familie, der vor Gericht als Anwalt Marchis fungierte.
Bald darauf werden erneut junge Frauen in besagtem Park ermordet. Wer ist der wahre Mörder und was ist das Motiv für diese Serie?


Im Gericht: Tochter, Frau und Anwalt von Marchi


sagt auch aus: Giorgio (Berger)


Liest man die Kommentare und Reviews im Internet, stellt man fest, dass sich "Blutspur im Park" nicht bei allen Giallo-Fans großer Beliebtheit erfreut.
Mich faszinierte der Film beinahe von Beginn an. Ohne Umschweife landet man direkt im Geschehen. Bereits während des Vorspanns werden die Hauptfiguren vorgestellt und nach wenigen Minuten findet eine Frau die erste Leiche im Park.
In relativ kurzer Zeit wird auch der Sportreporter Marchi von der Polizei als Täter entlarvt und in Gewahrsam genommen.
Regisseur Amadeo "Duccio" Tessari, der übrigens neben Chemie auch Jura studierte, hat dem Gerichtsprozess Einiges an Platz in der Erzählung eingeräumt und Wert auf die Details gelegt.
Folgt man den anfänglichen Ausführungen des Staatsanwalts ensteht der Eindruck, dass der Fall ganz klar ist und die hieb- und stichfesten Beweise unweigerlich nur zu einer Verurteilung führen können.
Hört man aber die anschließenden Gegenargumente von Marchis Anwalt, kommen doch einige Zweifel an der Täterschaft des Reporters auf.
Das Verhalten Marchis, aber auch das seiner Frau und Tochter wirkt verstörend. Es ist anhand seiner Mimik nicht abzulesen was in ihm vorgeht, oder korrekter: in keinem von ihnen.
Dieser Umstand und die hartnäckige und sture Verschlossenheit des Angeklagten führt schlussendlich doch zu einem Schuldspruch.

"Blutspur im Park" verströmt eine bedrückende Aura. Die Familie Marchi, aber auch der befreundete Anwalt sowie der Liebhaber der Tochter, Giorgio, (grandios: Helmut Berger) irritieren durch eine gewisse Kälte und spürbare Distanz, mit der sie sich begegnen.
Sämtliche Charaktere wirken einsam und zwischen den Menschen herrscht eine Art Beziehungslosigkeit. Über die wichtigen Dinge und Gefühle wird nicht gesprochen, das Offensichtliche bleibt unausgesprochen und wird umgangen, es gibt viele Tabuthemen.
Aus diesem Grund wirken auch alle Beteiligten suspekt. Jedem und jeder traut man getrost eine Verschwörung zu. Vielleicht ist Marchi doch zu Unrecht im Gefängnis?
Bis zum bitteren (im wahrsten Sinne des Wortes) Ende zweifelt man an seinen eigenen Hypothesen bezüglich dem Täter und dem Motiv der Verbrechen, stellt eine Theorie auf, um sie alsbald wieder über Bord zu werfen. 
Manchen wird dieser Giallo vielleicht etwas zu langsam erzählt sein. Andere mokieren sich über den Gerichtsprozess, dessen Inszenierung relativ viel Zeit einnimmt.
Weniger die Morde an sich stehen im Zentrum des Geschehens, sondern vielmehr die Skizzierung des Beziehungsgeflechts zwischen den Hauptcharakteren. Dies behagt nicht jedem. Vor allem nicht jenen, die beim Giallo-Genre Wert legen auf nackte Frauenkörper und besonders viele spektakuläre Rasiermessermorde.

Mich hat "Blutspur im Park" gefesselt und begeistert. Nicht nur wegen der nachvollziehbaren und hervorragend erzählten Geschichte, sondern auch wegen Helmut Berger.
Der Österreicher, der früher als einer der schönsten Männer der Welt galt, spielt den psychisch labilen Musiker, der aus (bis zum Ende) nicht nachvollziehbaren Gründen seine Beziehung zum ersten Mordopfer verschweigt.
Dennoch - oder vielleicht deshalb - leidet er, kämpft mit sich und scheint hin- und hergerissen zwischen intensiven Emotionen wie Trauer und Wut.
Seine Gefühle entladen sich in einer sichtbaren heißen, manchmal aber auch kalten und berechnenden Aggression.
Meiner Meinung nach ist diese neben "Der Tollwütige" und "Das Bildnis des Dorian Gray" eine der besten schauspielerischen Darbietungen Helmut Bergers in einem Genrefilm.

Duccio Tessari ist es bei "Blutspur im Park", ähnlich wie in "Das Grauen kam aus dem Nebel" gelungen, eine spannungsgeladene Atmosphäre zu erzeugen, was sicher auch wieder einmal dem brillianten melancholischen Soundtrack von Gianni Ferrio zu verdanken ist.
Ob der Film in euer Beuteschema passt, erschließt sich hoffentlich aus diesem Text.




Foto: VÖ vom Label Eyecatcher und die spanische DVD



Sonntag, 6. Juli 2014

L'ÈTRANGE COULEUR DES LARMES ET TON CORPS (2013)














DER TOD WEINT ROTE TRÄNEN
Belgien, Frankreich, Luxemburg 2013
Regie: Hélène Cattet, Bruno Forzani
DarstellerInnen: Klaus Tange, Ursula Bedena, Joe Koener, Birgit Yew, Hans de Munter, Anna D'Annunzio u.a.


Inhalt
Dan Kristensen hinterlässt seiner Frau Edwige eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Er ist bald von seiner Dienstreise zurück im heimatlichen Brüssel und freut sich auf sie.
Als er daheim ankommt, steht er vor verschlossenen Türen. Der Eingang seiner Wohnung ist von innen mit einer Kette verriegelt, seine Frau spurlos verschwunden. Verzweifelt macht er sich auf die Suche nach ihr, nimmt sich frei, befragt Nachbarn, nimmt Kontakt mit der Polizei auf.
Was ist nur während seiner Abwesenheit geschehen?


Dan im Gang des Mietshauses


Mysteriöse Frau


Ich habe "Amer", das Erstlingswerk der beiden in Belgien ansässigen Regisseure, bislang nicht gesehen und so lässt mich der Abspann von "The strange colour of your body's tears" etwas verwirrt und enttäuscht auf der Couch zurück.
Das ist ja gar keine richtige Geschichte, nicht mal ansatzweise.
Eher ein fieses visuelles Verwirrspiel. Doch "The strange colour of your body's tears" ist einer dieser Filme, der in der Psyche nachhallt und der mich auch am nächsten Morgen noch beschäftigt.
Vielleicht bin ich ja lediglich mit der falschen Erwartungshaltung an die Sache herangegangen?

Denn "The strange colour..." bricht mit konventionellen Sehgewohnheiten, berauscht und verstört nicht nur durch seine Bildsprache, die großzügige Verwendung von Farbfiltern, Split-Screens und Wiederholungen, sondern auch durch die teilweise enervierenden Soundeffekte.
Rückblendungen und Nebenerzählungen setzen unvermittelt ein und lassen sich zum Teil erst im Nachhinein als solche deuten.
Extreme Close-Ups wechseln sich ab mit statischen Aufnahmen, Bildern aus der Vogelperspektive und Unschärfe-Effekten. Schlichte Nacktheit wird genauso dargestellt wie der erotisierte Akt des Entkleidens.
Das Wort "Fetisch" wird in "The strange colour..." ausschließlich mit kapitalen Buchstaben geschrieben.

Fühlt es sich so an, wenn man verrückt wird?


Nicht nur der verlassene Dan, sondern auch man selbst bekommt einen Eindruck davon, wie sich eine schizophrene Episode anfühlt.
Trotz vieler verstörender Szenen kommt ein vertrautes, ja fast schon heimeliges Gefühl auf, wenn beispielsweise die mysteriöse alte Dame aus Pupi Avatis "L'arcano incantatore" auftaucht, eindeutige Hommagen an "Das Haus an der Friedhofmauer", "Der Killer von Wien", "Malastrana", "Profondo Rosso", "Suspiria", "Tenebre", "Spuren auf dem Mond" oder "The Child - Eine Stadt wird zum Alptraum" unser Eurocult-LiebhaberInnenherz vor Freude höher schlagen lassen.
Doch es sind nicht nur Hommagen im Stil von Quentin Tarantino (vereinfacht formuliert: kopierte Szenen), sondern eine Art Neuinterpretation und Weiterentwicklung des verwendeten Stoffs, allesamt minutiös inszeniert. Kein Wunder, dass die Schaffenszeit laut Angaben der Regisseure über 10 Jahre in Anspruch genommen hat.
Die verwendete Musik stammt ebenfalls aus den bereits genannten Filmen und noch einigen anderen Genre-Perlen, z.B. aus "Racket", "Così dolce, così perversa" oder "Die Farben der Nacht."

Das pompöse Mietshaus mit der schummrigen Innenbeleuchtung, in dem Dan herumgeistert, beherbergt viele fragwürdige Gestalten, deren Bekanntschaft der verzweifelte Mann macht. Einer scheint suspekter als der andere zu sein, jeder scheint etwas zu wissen und/oder zu verbergen. Ganz besonders vor den Frauen muss man sich in Acht nehmen.
Auch das Interieur der einzelnen Wohnungen mit seinen Fresken, mosaikartigen Fenstern und altmodischer Einrichtung mutet eigenartig und düster an.
Dans Rauschzustände und Träume verschmelzen untrennbar mit der Realität, die er nicht mehr in der Lage ist zu deuten. Letzteres gilt im Übrigen auch für uns ZuseherInnen.

Die Vorlieben von Cattet für experimentelle Kunst und die Liebe zum Genre von Forzani finden beide gleichberechtigt ihren Platz im zweiten gemeinsamen Werk des Paares.

Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass ich den Film uneingeschränkt empfehlen kann und bin mir nach wie vor nicht sicher, ob das Positive die sich manchmal bis fast zum Exzess ständig wiederholenden Szenen, die Widersprüchlichkeiten und die wirren Handlungsstränge aufwiegt.
Am besten, ihr macht euch selbst ein Bild davon. Wenn man mit den oben genannten Kultfilmen vertraut ist, ist "The strange colour of your body's tears" sicherlich keine Zeitverschwendung.
Aber Achtung vor Risiken und Nebenwirkungen!

Präparat: halluzinogener Filmstoff.
Mögliche Nebenwirkungen (können, müssen aber nicht bei jedem auftreten): Verwirrung, Frust, Berauschung, Ekel, Déjà-vus, in Einzelfällen wurde von schnellem Herzklopfen berichtet.
Suchtfaktor: Langzeitstudien-Ergebnisse noch ausstehend.


Foto: VÖ von Koch Media

LA ORGÍA NOCTURNA DE LOS VAMPIROS (1973)














THE VAMPIRE'S NIGHT ORGY
Spanien 1973
Regie: León Klimovsky
DarstellerInnen: Jack Taylor, Dyanik Zurakowska, José Guardiola, Helga Liné, Luis Ciges u.a.


Inhalt
Eine Gruppe von Touristen, die mit dem Bus Richtung Heimat fahren, machen aufgrund des plötzlichen Herztods ihres Chauffeurs einen Zwischenstopp in einem kleinen Dorf namens Tolnia.
Das malerische uralte Bergdorf scheint verlassen zu sein. Zumindest treffen die Urlauber (vorerst) keinen einzigen Bewohner an. Sie übernachten in der geöffneten Herberge, die laut Außenbeschriftung auch zugleich eine Bar und ein Restaurant ist.
Am nächsten Tag tauchen plötzlich alle Einheimischen aus der Versenkung auf und tun, als ob dies das Normalste der Welt wäre. Der freundliche Bürgermeister organisiert ein Stell-dich-Ein bei der Baronesse und bittet die Gäste, länger im Ort zu bleiben.
Schnell wird klar, dass die Bewohner nichts Gutes im Schilde führen und die Touristengruppe dezimiert sich immer mehr...


Der Bruder von Tom Savini?


Die schöne Baronesse (Helga Liné)


Für alle, die kein ganzes Review lesen, sondern nur schnell in Erfahrung bringen möchten, ob sich die Sichtung von "La orgía nocturna de los vampiros" lohnt, sei Eines gleich vorweg geschickt:
Das Drehbuch und die Dialoge sind an den Haaren herbeigezogen. Die Handlung hat eine ähnliche Struktur wie Schweizer Käse - sprich: bei genauer Betrachtung finden sich sowohl kleine als auch größere (Logik-) Löcher. Noch nicht abgeschreckt? Gut...

Regisseur León Klimovsky, u.a. verantwortlich für den schrägen und morbiden Paul Naschy-Streifen "Ultimo Deseo" und die drollige Trashgranate "Blutrausch der Zombies" hat mit "La orgía..." einen optisch düsteren und stimmungsvollen spanischen Horrorfilm geschaffen.
Verglichen mit anderen spanischen Genre-Produktionen weist dieser Vampirfilm einen weitaus geringeren Trash-Faktor auf.

Der Ort Tolnia, in dem die Reisegruppe Halt macht, sieht wie ein mittelalterliches Bergdorf mit südlichem Flair aus. Im Gegensatz zu manchen Filmen der neueren Generation, bei denen ich Probleme habe, die einzelnen SchauspielerInnen zu unterscheiden, sind die Protagonisten allesamt einprägsame und individuelle Charaktere, die man so schnell nicht vergisst. Besonders positiv fällt der "Ersatzbusfahrer" auf, der mit seinem eigenwillig geformten Schnäuzer ein bisschen nach Altrocker oder Harleyfahrer aussieht. Irgendwie erinnert er mich an Tom Savini. Eine Art Franco Nero für Arme (Jack Taylor, u.a. bekannt aus dem legendären "Woodoo - Inferno des Grauens") und ein dunkelhaariger bärtiger Riese in Leinenhemd sowie ein Typ, der einem Fernando Di Leo - Mafiafilm entsprungen sein könnte, sind auch mit von der Partie.
Die ausdrucksstarke und schöne Deutsche Helga Liné brilliert als geheimnisvolle Baronesse.

Charmant, wie Klimovsky auf Genrekonventionen pfeift und sowohl inhaltlich als auch darstellerisch Kannibalen-, Zombie-, und Vampirfilm vermischt. Denn eines ist Klar: ein klassischer Vampirfilm sieht anders aus.
Es fällt gleich zu Beginn auf, dass die Einwohner, nennen wir sie "Tolnianer", etwas blass um die Nase sind. Besonders in der Nacht wirken sie wahrlich gespenstisch. Beleuchtung und Make-Up wecken Erinnerungen an die Zombies in "Das Leichenhaus der lebenden Toten", Filme wie "La noche de los diablos" oder die Wurdelak-Episode in "Die drei Gesichter der Furcht".

Auch die Angewohnheit, des Nächtens in größeren Grüppchen unvermittelt in dunklen Gassen aufzutauchen, wortlos herumzustehen und gruselig dreinzuschauen, ist eher nicht die Art von Dracula und Co.
Und mal ehrlich - die ansonsten gut aussehenden und sich elitär gehabenden Blutsauger würden sich schämen, so viele alte, hässliche Exemplare unter sich zu haben. Auch die etwas tölpelhafte und schrullige Art der Dörfler passt nicht so ganz zu den typischerweise geschickt einlullenden und wortgewandten Vampiren.


Ein schmackhafter Braten?


Wirklich herzig, was sich die Untoten einfallen lassen, um ihre Opfer in Spe bei Laune zu halten. Jeden Tag wird ein schmackhaftes Fleischgericht aufgetischt.
Was die Touristen nicht wissen, ist, dass dafür jedes Mal ein Tolnianer eine seiner Gliedmaßen entbehren muss. Als im Fleischeintopf auf dem Teller ein Finger hervorlugt und prompt einen künstlich-hysterischen Anfall bei einer Touristin auslöst, wird rasch eine Lösung präsentiert. Der Bürgermeister persönlich geht in die Küche und kommt mit der Erklärung, der Koch habe einen Unfall gehabt, wieder zurück.
Wie zum Beweis dafür spaziert kurze Zeit später der Koch, einen großen Topf tragend, mit blutiger Handbandage und fehlenden Fingern vorbei.

Die strenge Zensur in Spanien zur Zeit des Franco Regimes hatte zur Folge, dass es eine spanische Fassung und eine extra für den Markt anderer etwas liberalerer europäischer Länder gedrehte Version von "La orgía nocturna de los vampiros" gibt. Letztere unterhält durch ein paar für Siebzigerjahre Genre-Produktionen unabkömmliche sleazige Nackedei-Szenen und ist in voller Länge und unzensiert vom amerikanischen Label Code Red als Double Feature mit "Die Nacht der blutigen Wölfe" erschienen.

Große Pluspunkte von "La orgía nocturna de los vampiros" sind das gelungene Make-Up, die originellen Schauspieler und die sehenswerten düsteren Drehorte.
Die etwas klamaukhafte Handlung kann getrost noch als "charmant" bezeichnet werden, doch die an Overacting kaum zu überbietenden hysterischen Anfälle der Hauptdarstellerin nerven und vermiesen den Gesamteindruck in nicht unerheblichem Maße.
Auf jeden Fall ist der Film garantiert nicht langweilig und für Eurocult-LiebhaberInnen Pflichtprogramm!




Foto: DVD vom Label Code Red